Ich habe da so meine Zweifel

Der Automobilzulieferer ZF hatte im September diesen Jahres seine Zukunftsstudie in Sachen Nachwuchs vorgestellt.

In dieser Studie kam man zu einem Ergebnis das man innerhalb der Branche und auch der Kraftfahrergewerkschaft schon lange wußte: Es wird bald keine Fahrer mehr geben.

Wenn man bedenkt, das der Großteil der Industrie und Wirtschaftsbetriebe jährlich weit über 100.000 Azubis beschäftigt, in der Speditions und Logistikbranche sich eher die Stühle im Büro als die hinterm Lenkrad füllen lassen, da ja nur pro Jahr gerade mal zwischen 3.000 und 3.500 neue Berufskraftfahrer ausgebildet werden, ist so eine Studie eine Möglichkeit das ganze mal äh… „Wissenschaftlich“ zu begründen.

Nur wenn ich mir so die Umfrageergebnisse der Studie anschaue und dann diese Wiederum mit Umfragen die von Fahrern für Fahrern gemacht werden so gibt es hier deutliche Unterschiede.

Wenn ich bei einer solchen Studie sehe, das hier angeblich Fahrer angegeben haben sollen das der Hauptgrund für diesen Job die Verdienstmöglichkeiten sind, aber bei allen anderen Umfragen die im Internet durchgeführt werden, eher die Aussage ist, das gerade dieser Punkt Bundesweit deutlich verbessert werden muss, sind für Kenner der Branche hier schon zweifel angesagt. In einer letzten Umfrage die ich gesehen habe, gaben von 760 Befragten Fahrern, 184 an, das die Bezahlung bundesweit verbessert werden muss. Diese 184 waren der Großteil der Befragten.

Die Fehlenden Alternativen kann ich nur bestätigen. Denn gerade als LKW Fahrer ist es verdammt schwer, das man einen anderen Job ausüben kann, wie z.b. auf einem Stapler im Versand eines anderen Unternehmens oder so. Die Wenigsten erhalten die Chance, vom Bock runter zu kommen.

Es ist unumstritten, das die Branche den Mangel an Nachwuchs zu spüren bekommt, wenn sich so langsam nicht mal was ändert. Der Arbeitgeberverband BGL hat ja diesbezüglich schon mehr als einmal seine Unfähigkeit bewiesen, hier etwas zu unternehmen, forderte man zu letzt doch wiedereinmal, das die Wartezeiten bei Zentrallagern als Pause gezählt werden sollen, auch wenn durch das angebliche Ständige Vorrücken keine Pause zustande kommt. Warum Angeblich? Ich habe in meinen nunmehr 17 Jahren als Kraftfahrer mehr als nur einmal an einem Zentrallager von Aldi, Lidl und Co. abladen müssen. Und es war keins dabei, wo ich mich in einer Schlange anstellen musste um dann wie an einer Kasse jedes mal einen kleinen Schritt nach vorne zu machen, nur damit ich dran komme.

Ich will nicht bestreiten, das es solche Lager gibt, aber ich war noch nicht dort.

Oder was man aus Schleswig Holstein hören muss, das man hier fordert das Sonntagsfahrverbot zu lockern. Dabei fordern die Fahrer im Fernverkehr ja gerade das die Vereinbarkeit mit Familie und Beruf verbessert werden muss. Eine solche Forderung wäre dabei nur Kontraproduktiv.

Aber warum habe ich da so meine Zweifel das diese Studie was bringen wird?

Wenn man bedenkt, das alleine so schon Tag für Tag irgendwelche Initiativen gegründet werden mit dem Zweck etwas für uns Fahrer verändern zu wollen, die sich auch irgendwo vielleicht Gehör verschaffen, aber im Endeffekt, bewegen diese rein gar nichts.

Ausserdem zeigt die Studie nicht wirklich, was in der Branche falsch läuft. Das halt eben die Fahrer und Fahrerinnen unter Androhung von Sanktionen zu Verstößen gegen geltende Gesetze und Verordnungen genötigt werden, das Löhne gezahlt werden die weit unter dem Existenzminimum liegen, ein Azubi zum Berufskraftfahrer bekommt im ersten Lehrjahr gerade mal 257 € Brutto, im dritten gerade mal etwas über 800 € wobei hier die Arbeitsbelastung schon dem eines „Gesellen“ entspricht.

In meinen Augen muss hier mehr getan werden als nur Blümchen zu verteilen.

Wir Fahrer müssen alle 5 Jahre eine 5 Modulumfassende Weiterbildung nachweisen, damit wir unseren Führerschein verlängern können. In dieser Weiterbildung sind Gesetzeskunde, Auffrischung der Ersten Hilfe, Auftreten beim Kunden etc. enthalten.

Diejenigen die in der Disposition sitzen und eigentlich auch die Gesetzliche Lage wissen müssen, brauchen dies z.b. schon mal nicht. Und das obwohl Sie (aufgrund von ständiger Falschen Tourenplaungen) hauptverantwortlich dafür sind, das Fahrer und Fahrerinnen Ihre Zeiten nicht einhalten können.

Ich habe schon mehr als einmal gefordert, das die Speditionskaufleute und reinen Disponenten endlich mal in dieser Hinsicht eine Weiterbildung machen müssen. Und das alle 5 Jahre immer und immer wieder.

Zwar gibt die VO 561/2006/EG ja jetzt schon die Möglichkeit das man eben diesen Leuten ebenfalls eine Strafe verpassen kann, aber das ist so selten, das ist gar nicht der Rede wert.

Ebenso fordern wir als Fahrer ja auch, das die Betriebe mal mehr Kontrolliert werden. Und das nicht nur bei einer Selbstanzeige der Fahrer, sondern dann wenn man bei den Ämtern für Arbeitsschutz mehr als nur einmal jemanden findet der nicht Taub ist.

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2 Kommentare

  1. Hallo Christian,

    vorab erstmal ein Dankeschön für Deinen wirklich interessanten Blog und diesem Artikel, der einige, wirklich interessante Fragen aufwirft. Hut ab.

    Zum Artikel:

    3000 Azubis klingt doch erstmal nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass es vor ein paar Jahren gradmal die Hälfte (ohne Bundeswehr) waren. Die Speditionen fangen scheinbar langsam an, an den Nachwuchs zu denken. Allerdings habe ich vor Kurzem gelelsen, dass von denen, die eine Ausbildung anfangen, diese nur knapp 1/3 erfolgreich abschließen, was wiederum nicht so besonders ist.

    Ich denke nicht, dass es ein Widerspruch ist, wenn die Fahrer sagen, dass die Bezahlung die Hauptmotivation und gleichzeitig verbesserungswürdig ist. Denn da gibt's noch ganz andere Berufe, wo die Leute wegen der Kohle arbeiten und lieber mehr verdienen würden und auch müßten.

    Zur Lockerung des Sonntagsfahrverbots in Schleswig-Holstein: Das mit den Familien ist ein sehr schöner und vorallem richtiger Gedanke. Das hat auch was mit dem Image des Berufsbildes und dem fehlenden Nachwuchs zu tun.

    Zu den Disponenten möchte ich nur sagen, dass es Umfrag gibt, dass in ca. 75% aller Furunternehmen mind. 1 Fahrer fehlt. Folge: erschwerte Tourenplanung, Überstunden bei den Fahrern, schlechte Stimmung im Betrieb, Fluktuation. Und eine ständig wechselnde Belegschaft ist teuer. Und immer wieder Fahrer (natürlich erfahren) aus einem Umkreis von 30km zu finden, wird mit der Zeit nicht einfacher, wenn kaum einer ausbildet.

    Mit besten Grüßen

    1. Moin Eric,

      nun, bezüglich der Ausbildung, die 3 – 3500 jährlichen Azubis ist eine Zahl die schon seid Jahren stagniert. Man hat sich halt immer auf die Bundeswehr verlassen und die Bildet auch nur noch die Anzahl an Fahrpersonal aus, was gebraucht wird. Aber auch das nicht erst seid gestern. Man hat hier schlichtweg seid Jahren gepennt. Gut der BGL behauptet was anderes, aber es ändert nichts an der Tatsache das man hier Versäumtes anderen in die Schuhe (Vater Staat) in die Schuhe schieben will und dies auch wehement macht.

      Das mit den Disponenten und der äh… "erschwerten" Tourenplanung ist ein Problem, was nicht erst seid gestern auftaucht. Das gab es schon als ich Mitte der 1990er Jahre mit dem Fahren anfing. Von daher, schmeiß diese Umfragen weg.

      Was Deine Informationen zwecks bestehen der Prüfung anbelangt, so sind diese gar nicht mal falsch. Alleine hier in NRW haben wir bei den Angehenden Berufskraftfahrern eine Durchfallquote von 60%. Bei denen die die Grundqualli machen, liegt diese sogar bei 65 – 70%.

      Woran diese Fluktuationen liegen, da sollten sich die Speditionen mal fragen, warum das wohl so ist. Es schreien doch nur die Firmen nach Fahrern bei denen eh schon seid Jahren die Fahrer kommen und gehen. Ich arbeite bei einem Unternehmer der schon seid weit über 30 Jahren die selben Fahrer hat. Da geht keiner, es sei denn die Rente ruft. Und selbst dann, fahren Sie noch weiter. Bei uns werden die Fahrersitze vererbt (Mein Vater hat selber bei der Spedition gefahren). Wenn das nicht für das Unternehmen spricht, weiß ich es nicht. Hiervon sollten sich so manche Speditionen mal eine Scheibe abschneiden.

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