20:45 Uhr [UPDATE]

klingelte es gestern an meiner Haustür. Da es Samstag Abend war, dachten wir, es käm noch jemand aus dem Verwandenkreis auf’n Bier oder so vorbei.

Aber nein. Es war der Hermes Paketdienst. Samstag Abend um 20:45 Uhr war der immer noch unterwegs und brachte einen Pullover, den jemand hier im Haus in einem Versandhaus bestellt hatte.

Sorry, auch wenn die Unternehmer die für Hermes fahren auch nur nach Paketen bezahlt werden und auch für jede Retoure dankbar sind, weils auch dafür noch Geld gibt. Aber Samstagsabends brauch keiner mehr einen neuen Pullover. Entweder sind diejenigen die Ihn gebraucht hätten, schon irgendwo auf Achse, oder sitzen zu Hause auf dem Sofa vor dem Fernseher.

Nachdem ich mich darüber noch wo anders aufgeregt habe, weil ich es einfach eine Unverschämtheit von Hermes finde, das die Fahrer auf einem Samstag so lange arbeiten müssen, konnte ich erfahren, das Hermes als VORGABE hat, das bis Samstagsabends 22:00 Uhr auch bei Privatkunden angeliefert werden muss und es erst dann Geld für das Paket gibt, wenn es ausgeliefert ist!

HALLO? 22:00 Uhr? Da liegen schon welche im Bett und sind mit anderen Dingen beschäftigt. Wäre ich gestern Abend nicht da gewesen, hätte unser Hermes Bote vor Verschlossener Tür gestanden, weil meine Frau aus gewissen Gründen Abends nicht mehr die Tür aufmacht.

Aber zuück zu Hermes oder den anderen Paketdiensten. Dank der Sozialen Netzwerke bekommt man ja auch mehr mit, in je mehr Gruppen man sich Tummelt. Durch die FB Gruppe Actie in Transport, bin ich auch mit der IG Fair KEP (Interessengemeinschaft Kurier – Express – Paket) in Kontakt gekommen.

Dort konnte man so einiges über die Bedingungen erfahren, mit denen die Fahrer und Unternehmer in dieser Branche zu kämpfen haben.

Im Prinzip nichts anderes als bei uns LKW Fahrern. Wer sich nicht an die Regeln hält, wird bestraft und wer muckt, fliegt raus. Bei Hermes ist das nicht anders.

Der Fahrer muss 4 Anlieferungsversuche unternehmen. Kann er erst beim vierten Versuch das Paket zustellen, bekommt er dann erst sein Geld. Kann er das nicht zustellen, gibt es gar nichts.

Ich mag mich ja täuschen, doch in meinen Augen, gibt es NICHTS was so wichtig sein kann, das es bis Samstagsabends um 22 Uhr zugestellt werden muss.

Es gibt Gesetze, die die Arbeitszeiten regulieren. Denen unterliegen auch die Selbstfahrenden Unternehmer. Und wer was anderes anordnet macht sich Strafbar.

Doch leider wird genau das Arbeitszeitgesetz in Deutschland NICHT kontrolliert! Und das im Interesse der Industrie und Wirtschaft!

Ich mache unserem Hermes Fahrer keinen Vorwurf. Er versucht auch nur seinen „Arsch am Kacken“ zu halten. Ich mache Hermes den Vorwurf, das Sie die Menschen derart Ausnutzen, das Sie keine Möglichkeit mehr haben, soziale Kontakte zu knüpfen und zu Pflegen.

Ich kenne dies aus eigener Erfahrung, als ich noch im Internationalen Fernverkehr war. Kaum zu Hause, kaum Möglichkeiten mit den wenigen Freunden / Bekannten die man hatte, mal abends nen Bier trinken zu gehen.

Und wer ist Schuld? Die Gesellschaft. Weil immer alles gleich da sein muss. Am besten muss der Versandhandel noch vor der Bestellung des Kunden wissen, was dieser bestellen will und es raus schicken.

[UPDATE]

hermes
Antwort von Hermes

Ich habe mich mittlerweile mal per Email an Hermes gewand und mal nachgefragt wie es denn sein kann, das Hermes solche Dinge zulässt.

Wie man sehen kann, bestätigt mir der Hermes Kundenservice, das von den Zustellern verlangt wird, gegen das Arbeitszeitgesetz zu verstoßen.

Generelle Zustellzeiten von 8 – 20 Uhr macht da schon mal 12 Stunden pro Tag. Für das Beladen des Fahrzeuges am Depot setze ich mal grob geschätzt anderthalb Stunden an. Entladen der Retouren und sonstigen Abholungen noch mal ne Stunde, macht 14,5 Stunden am Tag. Damit hätten wir dann jede Woche 87 Stunden Arbeitszeit!

Für Pause haben die Fahrer ja keine Zeit. Sie müssen ja Pakete ausliefern.

 

[UPDATE die 2te]

hermes_2Nachdem ich auf obige Email wieder geantwortet hatte und mich in meinem Vorwurf des Gesetzesverstoßes bestätigt sah, kam eine weitere Email von einer anderen Dame, die wohl mehr machen durfte als nur die Frau vom Kundenservice. Denn bei Hermes gibt es auch ein Socialmedia 😀

Was mir die Dame da erklärte, zeigt nur, das man bei Hermes selber keine Fehler macht, sondern immer nur der Zusteller schuld sei.

Wie man lesen kann, sieht man bei Hermes keinen Sinn darin, die Zustellzeiten auf einem Samstag zu reduzieren, denn man bleibt weiterhin dabei, das Samstags bis 20 Uhr angeliefert werden muss.

Es mag zwar auch sein, das die Zusteller im Festgehalt stehen. Klar, wenn Sie bei Hermes direkt Angestellt sind mag das ja sein, doch unser Zusteller ist laut seiner Aussage Selbständiger Fahrer und somit ein Subunternehmer bei Hermes. Und wie diese Bezahlt werden hat man mir dank IG-Fair KEP und etlichen anderen Subunternehmern ja bereits erleutert.

Gut, ich bin LKW Fahrer und weiß wie manche Kunden ticken können. Da ich selber Waren ausliefere, auch wenn es nur bei Firmen ist, so gibt es gerade bei Firmen gewisse Zeiten, in denen man Ware anliefern kann. Alles was danach kommt, kann man in den meisten Fällen wieder mit nehmen, da die Warenannahme geschlossen ist, auch wenn in der Firma weiter gearbeitet wird. Das weiß Hermes, das wissen alle Disponenten und Logistiker. Doch wie man sieht, interessiert das bei Privatkunden nicht wirklich.

Ich frage mich, warum lediglich Hermes es nicht schafft, das deren Zusteller zu vernünftigen Zeiten die Pakete anliefern können. DPD, DHL und UPS schaffen es ja auch, Morgens / Nachmittags Ihre Pakete zu liefern. Und das auch Samstags.

Gestern Abend, am 14.12.2013, stand der Hermes Zusteller schon wieder vor der Tür, weil wir für unseren Junior einen Fußsack bestellt hatten. Nun er hat es diesmal geschafft vor 20 Uhr aufzutauchen, doch wie man sieht, es war schon wieder Samstagsabends.

Auf meine Frage hin, ob er beim letzten mal etwas nicht verstanden hatte, als ich ihm sagte, das er so spät abends hier nicht mehr aufzutauchen hat, schließlich sei Montag auch noch ein Tag, fing er sofort an mir meine Beschwerde vor zu werfen. Nach seiner Aussage hätte sich zwar meine Mutter beschwert, die ja nicht das geringste damit zu tun hätte, doch das auch für Ihn Gesetzliche Arbeitszeiten als Selbständiger Fahrer gelten, das wollte er nicht einsehen.

Zudem durfte ich mir anhören, das er ja nicht vor 12 Uhr vom Depot weg kommt und er deswegen so spät erst bei den Kunden auftaucht. Nun ehrlich gesagt, kenne ich zwar diese Problematik, denn auch wir LKW Fahrer kommen, wohlgemerkt, manchmal nicht pünktlich weg, doch das ist dann nicht mein Problem, sondern das Problem des Unternehmens wo man geladen hat. Mehr als Fahren kann man nicht und gerade wenn man weiß, das man ab einer gewissen Uhrzeit nicht mehr bei dem und dem Kunden aufzutauchen hat, fährt man da auch nicht hin.

So jetzt mal Schluß damit

Ich mache den Zustellern gewiss kein Vorwurf, das Sie versuchen Ihre Arbeit zu machen. Ich weiß selber, das der Fahrer vor Ort derjenige ist, der den Frust abbekommt. Ich mach das ja auch hin und wieder mit. Wie man aber sehen kann, liegt das Problem nicht bei den Fahrern, sondern bei dem Unternehmen selber.

Und solange sich der kleine Dumme Mann alles gefallen lässt, wird sich auch daran nichts ändern.

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