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Autonomes Fahren

Mercedes-Benz Future Truck 2025 mit Dr. Wolfgang Bernhard
Mercedes-Benz Future Truck 2025 mit Dr. Wolfgang Bernhard

Lange habe ich überlegt, ob ich mich dem Thema Autonomes Fahren widme. Viele andere Medien haben dies bereits getan und viele haben dieses Phänomen auch gefeiert.

Doch ich betrachte das ganze eher von der anderen Seite. Die Schattenseite. Nicht etwa, das uns selbstfahrende LKW’s den Job irgendwann kaputt machen werden. Nein, für mich steht die Sicherheit anderer im Vordergrund.

Mercedes hat seid der offiziellen Vorstellung des Future Trucks 2025 letztes Jahr auf einem gesperrten Autobahnabschnitt nahe Leipzig, in 2 Ländern die Genehmigung bekommen, Teilautonome LKWs auf die Straße zu lassen.

Drüben in den USA fahren seid beginn Quartal 2/2015 2 Frightliner mit der Teilautonomen Technik über die Highways, hier in Deutschland kam ein paar Monate später die Freigabe auf der A8 für einen Actros mit Highway Pilot.

Die Fahrzeuge sollen mit dem Highway Piloten sicherer sein, der Fahrer kann laut Aussage von Mercedes andere Aufgaben machen wie etwa das Disponieren. Doch hier konnte man schon in der Fernfahrer Ausgabe 12/2015 lesen, das die Spediteure damit nicht einverstanden sind. Denn zurecht, wozu sind Disponenten da? Für Selbstfahrende Unternehmer mag dies ja zu treffen, aber nicht für den angestellten Fahrer.

Meine Meinung in der Fernfahrerausgabe 12/2015
Meine Meinung in der Fernfahrerausgabe 12/2015

Daimler Benz verspricht sich, wie gesagt, von der neuen Technik sichere LKWs, bei dem der Fahrer zwar weiterhin anwesend sein muss, aber nur noch im Bedarfsfall auf der Autobahn eingreifen muss. Und genau hier sehe ich schon den ersten Knackpunkt, der meiner Meinung nach nicht hinhaut. Wie ich es ebenfalls schon in der o.g. Ausgabe des Fernfahrers sagen konnte, bin ich aufgrund meiner Langjährigen Berufspraxis der Meinung, das das Teilautonome Fahren alles andere als sicher ist.

Mit einem solchen System wird man zum quasi Beifahrer. Und jeder, der lange genug fährt, weiß was es heißt, nur Beifahrer zu sein: Die Gedanken schweifen ab, das Monotone Surren des Motors und die Rollgeräusche der Reifen auf dem Asphalt, tragen dazu bei, das man müde wird und auch einschlafen kann. Stellt man sich jetzt vor gerade in dem Moment gibt der Highway Pilot ein akustisches Warnsignal von sich, das der Fahrer aufgrund einer Notsituation eingreifen muss… Naja, es kann sich jeder Ausmalen, was das bedeuten wird / kann.

Ich selber fahre nun seid Januar diesen Jahres einen New Actros 1843 mit allen derzeit verfügbaren Assistenzsystemen. Und selbst hier merke ich, das durch dieses System die Konzentration nachlässt. Der Abstand wird eingehalten, wenn der Vordermann langsamer wird reagiert das System und beim Stau bleibt der LKW ja auch selber stehen und fährt wieder los.

Zwar möchte ich diese Assistenzsysteme nicht schlecht reden, denn Sie sind durchaus hilfreich, dennoch sind die Auswirkungen dieser Systeme auf den Fahrer für mich schon zu erkennen. Und dafür brauche ich nicht ein hochstukadierter Professor irgendeiner Namhafter Uni zu sein.

Ich erinnere mich noch gut daran, als ich den für mich ersten LKW mit Vollautomatik Getriebe bekam. Es war ein DAF CF 85.410. Bei der Gruppeneinweisung (war ja nicht der einzige bei in der Firma, der so ne Bütte bekam) musste ich dann ganz laut darüber lachen, als einer der Verkäufer des DAF Händlers den Spruch los lies, „Man wird nicht vom fahren müde. Entweder man ist von vornherein müde oder man ist es nicht!“ Es ging darum, das ein paar meiner damaligen Arbeitskollegen, das Automatik Getriebe anzweifelten, das es zur Fahrsicherheit beiträgt und den Fahrer müde macht, weil er nichts mehr zu tun hat, wie etwa selber im Getriebe rumrühren. Was solls. Automatikgetriebe in LKWs gehören mittlerweile zum Standard und wir nehmen dies als gegeben hin.

Doch zurück zum Thema Sicherheit und Autonomes fahren…

Ich bekam diesbezüglich mal einen Anruf von einer Dame des NDR’s. Die scheinen sich wohl auch mit dem Thema zu beschäftigen. Im laufe des Telefonats wurde sehr schnell die Ablehnende Haltung der Frau gegenüber uns Fahrern deutlich, denn Sie verteidigte Ihr Statement, das die Assistenzsysteme ja nicht abschaltbar sein dürften und so der Fahrer ja trotzdem noch Unfälle bauen könnten. Sicherlich hat Sie da nicht ganz Unrecht. Doch gerade im Winter ist es umso wichtiger, das man diese Systeme abschalten können muss. Man stelle sich nur mal die Katastrophalen Folgen vor, die es mit sich bringen würde, wenn ein LKW aufgrund einer Gefahrensituation eine Notbremsung auf glatter Fahrbahn einleitet… Wenn 40 Tonnen rutschen, dann rutschen die so lange bis Sie durch eine Ansammlung Blech gestoppt werden! Das ging der guten Frau allerdings nicht in den Kopf. Studiert zu haben, bescheinigt ja nicht, das man auch die Logischen Sachen kombinieren kann.

Fazit des ganzen

Für mich steht weiterhin fest, das Assistenzsysteme zum gewissen Grad an Sicherheit beitragen. Das steht für mich ausser Frage. Doch auf der anderen Seite steht für mich auch fest, das diese Systeme eine Gefahr für andere sein können. Zumal sich gerade der Notbremsassistent dann abschaltet, wenn der Sensor verdreckt oder verschneit ist. Dann funktioniert auch der Abstandsregeltempomat nicht mehr, was aber durch aus sinnvoll ist. Man erinnere sich an meinen Einwand bei Straßenglätte.

Von daher warten wir mal ab, was die Zukunft so bringen wird. Ich denke mal das es noch sehr lange dauern wird, bis wir Fahrer durch die Technik abgelöst werden. Bis dahin bin ich hoffentlich schon in Rente. Sind ja nur noch gut 35 Jahre.

 

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Christian

Ich bin aktiver Berufskraftfahrer und kein Rechtsanwalt, auch wenn ich hier über Rechtliche Themen schreibe. Ich war in der Vergangenheit für eine Gewerkschaft auf Landesebene im Vorstand und als Betriebsratsvorsitzender bei einem Zeitarbeitsunternehmen im Ruhrgebiet tätig.

Auch wenn ich den Beruf selber erst seid Mitte der 1990er Jahre ausübe, so habe ich damit durch meinen alten Herrn schon mein ganzes Leben mit dieser Branche zu tun. Ich war sowohl im Internationalen Fernverkehr, sowie derzeit auch im Nahverkehr tätig.

Ich betreibe diesen Blog ausschließlich Just4Fun und vieles spiegelt lediglich meine Meinung wieder, die keiner gut finden muss oder soll! Selber zählen ich mich zu denen, die diesen Beruf nicht machen, weil Sie es müssen, sondern weil Sie es wollen. Auf Deutsch, es ist mein Traumjob.

2 Gedanken zu „Autonomes Fahren

  • 26. Juli 2016 um 17:44
    Permalink

    Sehr interessante Aspekte, die ich so noch nirgendwo in Bezug auf autonomes Fahren gelesen habe. Für mich war bisher offensichtlich, dass autonomes Fahren besonders bei LKWs ein großes Potential hat, schwere Unfälle zu vermeiden. Die Argumente in Bezug auf die nachlassende Konzentration als Beifahrer sowie auch der möglichen Gefahren bei glatter Fahrbahn sind aber sehr logisch und es zeigt, dass hier wohl noch viel geforscht werden muss. Einen tatsächlich selbstfahrenden LKW, ohne dass ein Mensch zur Sicherheit mitfahren muss, halte ich aber in naher Zukunft für sehr unwahrscheinlich und hier wäre es wohl wirklich sinnvoller, zunächst die Fahrassistenzsysteme weiter auszubauen. Wird denn eigentlich schon an Techniken gearbeitet, um den Sekundenschlaf bei Auto- und LKW Fahrern zu erkennen, oder eventuell andere Ausfälle zum Beispiel durch Herzinfarkte?

    Antwort
    • 27. Juli 2016 um 13:39
      Permalink

      Einen vollständig Autonomfahrendes Fahrzeug halte auch ich für nicht realisierbar. Dazu spielen viele bereits von mir genannte Faktoren eine Rolle. Gerade was das Wetter anbelangt, kann man sich nicht 100% auf die Wetterfrösche verlassen. Das wäre aber gerade für autonomes Fahren erforderlich. Ebenso sind die Systeme die für die Notbremsung verantwortlich sind, zu störanfällig.

      Wenn ich z.b. die A2 oben bei Hamm-Rhynern in Richtung Dortmund fahre, so gibt es da eine Brücke, bei der das System grundsätzlich Alarm schlägt, obwohl da eigentlich gar nichts ist. Bei einer Fahrzeugabholung die ich im März diesen Jahres im Mercedes Werk in Wörth mit machen konnte, sagte man mir auch, das die Systeme Probleme mit den Reflektierenden Verkehrsschildern haben. Aber ich vermute mal, das sich da was tun wird, um die Systeme sicherer zu machen.

      DSC_0186Was der Sekundenschlaf bzw. die Müdigkeit im Allgemeinen anbelangt, so gibt es da schon etwas, was darauf aufmerksam macht, das man besser den nächsten Parkplatz anfahren sollte um eine Pause zu machen. Allerdings gibt das System nur Hinweise raus, greift aber selber nicht ein. Ob das Realisierbar wäre ist fraglich, da laut Gesetzgebung der Fahrer immer und grundsätzlich selber Herr über das Fahrzeug zu sein hat.

      Das mit den Ausfällen aufgrund Gesundheitlicher Probleme halte ich persönlich für eine gute Sache. In Verbindung mit einem eCall System wäre das bestimmt eine gute Sache, so das der Fahrer bei einem gravierenden Gesundheitlichem Problem wie gerade der Herzinfakt, vielleicht noch den Knopf drücken kann, das Fahrzeug dann selbständig auf den Standstreifen fährt und anhält. Doch auch das wird wieder nichts. Denn eCall im vollem Umfang wurde ja schon deswegen abgesägt, weil Datenschützer hier wieder ein Problemchen gesehen haben, wegen der übermittelnden Daten…

      Antwort

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by Christian time to read: 8 min
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