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Wie man den Erfolg anderer schmälern kann

Zuletzt aktualisiert am 4. Dezember 2021

In der aktuellen Ausgabe des Truckers (03/2016) ist ein Interview der beiden obersten „Bosse“ einer Vereinigung, die sich Kraftfahrergewerkschaft nennen. Einige meiner Leser werden sich daran erinnern, dass da mal was war.

Doch ich denke, die meisten Leser hier, als auch die des Truckers werden sich erst mal gefragt haben: „Kraftfahrergewerkschaft? Nie was von gehört!“


Das Stück vom Kuchen
Die Missgunst des Erfolges anderer
Fazit

Nun für diejenigen, die noch nie was von dieser „Gewerkschaft“ gehört haben, hier mal ein paar kleine Informationen:
Gegründet wurde dieser Verein am 28.03.1992, als Gewerkschaft von Fahrern für Fahrer. Ja Ihr lest richtig. Diese „Gewerkschaft“ gibt es schon seit nun mehr 24 Jahren und selten hat mal einer was von denen gehört und noch seltener hat sich ein zahlendes Mitglied dort hin verirrt. Es sollen ja angeblich mal sehr viele dort Mitglied gewesen sein. Na ja lassen wird das. Zurück zum Interview.

In dem Interview werden Willy Schnieders (Bundesvorsitzender der KFG) und Franz Xaver Winklhofer (stellv. Bundesvorsitzender und Pressesprecher des Vereins) zu der aktuellen Lage „der Nation“ befragt.

Das, was ich hier schreibe, spiegelt lediglich meine Meinung zu ebendiesem Interview dar und soll nur das aufzeigen, was ich meine zwischen den Zeilen der Aussagen gelesen zu haben.

Das Stück vom Kuchen

Ich fand es [the_tooltip text=“lustig lesen“ tooltip=“Lustig deshalb, weil die Fahrer sich nicht mit solchen Begriffen identifizieren können und wollen“] zu müssen, dass sich Herr Schnieders ein neues Motto gesucht hat. War es lange Zeit das die LKW-Fahrer die Sklaven der Wirtschaft seien, so sind wir nun das missbrauchte Wachpersonal. Denn angeblich macht sich die KFG ja dafür stark, dass man die reguläre Wochenruhezeit von 45 Stunden nicht im LKW verbringen darf. Nur seltsam, dass man in der ganzen Zeit nie etwas davon gehört hat. Selbst in der CGB eigenen Deutschen Gewerkschaftszeitung ist davon nichts zu lesen. [the_tooltip text=“Lediglich einen“ tooltip=“Siehe DGZ Ausgabe November/Dezember 2015 Seiten 20 und 21″] Einseitigen Artikel darüber, dass man sich als KFG gegen einen [the_tooltip text=“Streik der Fahrer“ tooltip=“Einige Fahrer befürworten einen Streik dafür, das man dann eher in der Öffentlichkeit gehör findet, da irgendwann keine Warenlieferungen mehr erfolgen“] ausspricht. Gut, eine Gewerkschaft, die ja keine Tarifverträge aushandeln will, braucht sich über einen Streik auch keine Gedanken machen, auch wenn man hier erst mal grundsätzlich recht hat.

Allerdings war es auch nicht anders zu erwarten, dass auch die KFG auf diesen Zug aufspringt, denn wenn schon in der Politik seid ein paar Monaten darüber geredet wird, muss man ja mit von der Partie sein. Gut, ich muss sagen, in meiner Zeit bei der KFG war das mal kurz im Gespräch, aber mehr als mal ein Bericht darüber, dass man mit der Situation nicht einverstanden sei, gab es da auch nicht. Da nützt es auch nichts, wenn man auf der Seite der KFG NRW einen Artikel am Anfang des Jahres dazu postet, der dazu noch eine irreführende Überschrift trägt.

Doch liest man sich mal die „Argumente“ durch, die der Herr Schnieders so äußert, wundert man sich. Denn auf die Aussage der beiden Reporter, dass einige Fahrer mit der Entscheidung, die 45-stündige Wochenruhezeit nicht mehr im LKW verbringen zu dürfen, nicht einverstanden sind, zeigte sich Herr Schnieders doch stark verwundert.

Zitat:

Es erstaunt mich, das manche Fahrer ihre Ruhezeit lieber im Fahrerhaus verbringen. Eine echte Erholung ist im LKW nicht möglich. …

Nun, das werden wohl eben die „manchen Fahrer“ anders sehen. Doch mit seiner weiteren Ausführung, dass viele osteuropäische Fahrer monatelang in Ihren Trucks hausen, hat er nicht gerade unrecht. Raymond Lausberg von der belgischen Polizei hat schon mehrfach Bilder veröffentlicht, über die Lebensumstände in den Fahrerhäusern so manches Fahrers aus den MOE Staaten. Auch war er zusammen mit Jan Bergrath einer der Ersten, die das Thema mit dem Verbringen der wöchentlichen Ruhezeit in die Öffentlichkeit brachten. Also so, dass es jeder mitbekommt!

Doch hier kommt auch sein neues Motto ins Spiel. Schnieders wörtlich:

Arbeitgeber nutzen die Bereitschaft der Fahrer aus und zweckentfremden sie. Sie werden als Wachpersonal missbraucht, müssen be und entladen.

Würde ich es jetzt auf die Goldwaage legen, dann müsste ich sagen, dass das ja nicht nur bei der regulären Wochenruhezeit so ist, sondern auch bei der verkürzten und bei der täglichen Ruhezeit. Aber bei den gemachten Pausen habe ich noch nie einen LKW-Fahrer mit einer großen Taschenlampe bewaffnet um seinen LKW schleichen sehen, der aufpasst, dass man ihm die Ladung nicht klaut. Genau wie damals mit der Aussage, wir seien Sklaven der Wirtschaft, weil wir eben Be- und Entladen müssten, gehe ich auch hier nicht mit der Aussage konform, wir würden als Wachpersonal missbraucht. Wenn ich Pause mache (egal welche), dann bin ich erst was essen und dann im Bett am Schlafen. Bewachen kann ich dabei meinen LKW nicht! Es ist richtig, wenn Schnieders angibt, dass die Ruhezeiten zur freien Verfügung des Fahrers dienen sollen, damit sich dieser erholen kann. Und was anderes machen die Fahrer während Ihrer Pause [the_tooltip text=“eigentlich“ tooltip=“Ja auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel.“] auch nicht.

Dies war dann der Teil des Interviews, wo man merken konnte, dass die KFG auch nur ein Stück vom Kuchen ab haben will, bevor es keinen mehr gibt. Kommen wir jetzt zu dem Teil, von dem aufmerksame Leser wissen, dass da eigentlich jemand anderes verantwortlich zeichnet….

Die Missgunst des Erfolges anderer

Wer die vergangenen 3 oder auch 4 Jahre mitbekommen hat, der weiß, dass es da eine Organisation gibt, die allen voran einen Erfolg ganz besonders zu verzeichnen hat. Unsere Probleme sind im Bundestag und im EU-Parlament angekommen und werden gehört. Und das seltsamerweise erst, nachdem Fahrer auf die Straße gegangen sind, eine Petition beim EU-Parlament eingereicht wurde und dank diverser Politiker und auch Jan Bergrath vom Fernfahrer dafür gesorgt haben, dass man auf die Probleme aufmerksam wurde. Es mag sein, dass die KFG hier vielleicht, was Ähnliches getan hat, doch das lässt sich wie immer nicht nachvollziehen.

Im Interview wurde zu Recht die Frage gestellt, warum man eigentlich Mitglied bei der KFG werden sollte, da es ja noch die ver.di gebe, die um die Gunst der Fahrer buhlen würde. Klar, dass die beiden Obersten des Vereins Ihr Mantra abspulten. Wobei… eigentlich war es nur der Herr Winklhofer der sagte:

Wir sehen uns als die wirkliche Vertretung der Kraftfahrer, da bei uns jedes Vorstandsmitglied über jahrelange Erfahrung in der Branche verfügt. Das unterscheidet uns von der Konkurrenz.

Aha, die KFG sieht sich also als Konkurrenz zur Verdi? Nun ja, man merkt, dass dort einer zu sehr lustigen Scherzen aufgelegt war. Wie ich schon mehrfach in diesem Blog geschrieben habe, war ich ein Teil der KFG. Nicht nur als zahlendes Mitglied, sondern auch als aktives Vorstandsmitglied. Und wenn ich ehrlich bin, Konkurrenz zur ver.di… Ähm…. Noch nie gewesen und wird es auch nicht sein. Auch wenn ver.di oftmals auf dem Rücken der Fahrer Ihre eigenen Interessen vertreten mag, so spielt diese DGB-Gewerkschaft doch deutlich in einer anderen Liga. Und in diese wird die KFG niemals kommen.

 

Außerdem konnten wir in den vergangenen Jahren einige Erfolge vorweisen. Es ist der KFG zu verdanken, dass sich die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag intensiv mit den Problemen der Kraftfahrer /-innen befassen. Mit zahlreichen Schreiben an die Bundeskanzlerin, die jeweils amtierenden Bundesverkehrsminister und in vielen Gesprächen mit führenden Abgeordneten hat die KFG auf Änderungen in den Gesetzen zu Gunsten der Fahrer gedrängt.

Nun Herr Winklhofer, genau wie bei der Geschichte mit den Parkplätzen für LKWs, an der die KFG angeblich beteiligt gewesen sein will, ist es auch hier wieder anderen zu verdanken, dass das, was Sie beschreiben erreicht wurde. Denn auch wie bei dem Runden Tisch zu der Parkplatzsituation waren viele anwesend, nur die KFG nicht. Und dennoch behauptet man hier, dass ausschließlich die „Gewerkschaft“ die heutigen Baumaßnahmen auf den Weg gebracht hätte.

Liest man weiter, kommen mir die Tränen. Nicht vor Trauer, sondern vor Lachen:

Wir haben es beispielsweise verhindert, dass ein durchgängiges Überholverbot auf für LKW auf allen zweispurigen Autobahnen eingeführt wird. Auch die erfolgreiche Petition zur Verbringung der Wochenruhzeit ist der KFG zu verdanken. Durch intensive Kontaktpflege und direktem Austausch mit Vertretern in Politik und Organisationen sowie durch unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung trägt die KFG wesentlich dazu bei, die Bedeutung der Berufskraftfahrer ins Bewusstsein zu rücken, das Image zu verbessern und auf die Probleme der Branche aufmerksam zu machen.

Das muss man erst mal sacken lassen und sich dann folgende Fragen stellen:

  1.  Überholverbot verhindert? Warum hat man davon nie irgendwas gelesen? Weder in der DGZ noch in einem Rundschreiben des Verkehrsausschusses des Bundestages?
  2. Eine Petition? Stimmt, die hat es gegeben, aber von einer „Gewerkschaft“ ? Sollte eine Gewerkschaft da nicht andere Möglichkeiten nutzen können außer eine Petition?
  3. Ich weiß nicht, was man in der KFG unter unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit versteht, doch ich denke, ich kann hier für die Allgemeinheit sprechen: Gesehen hat davon nie einer was! Öffentlichkeitsarbeit beschränkt sich nicht nur auf die Mitglieder.

Zum Ende des Interviews gab es dann noch einen, für mich unmissverständlichen Kommentar des Herrn Schnieders:

 

Letztendlich muss jeder Fahrer und jede Fahrerin selbst entscheiden, welcher Gewerkschaft er oder sie beitritt. Wichtig ist, dass sich die Fahrer überhaupt organisieren. Viele Fahrer beschweren sich über Missstände, organisieren sich aber nicht.

falsch
Auszug aus der Fernfahrer 01/2015.

Wenn ich noch an die Aussage des Herrn Schnieders denke, die er letztes Jahr im Rahmen eines Artikels im Fernfahrer verlauten ließ, dass man in der KFG [the_tooltip text text=“keine Tarifverträge“ tooltip=“Siehe Fernfahrer Ausgabe 01/2015 Thema des Monats in der Herr Schnieders auch zu lesen ist“] aushandelt, dann könnte man jetzt hier hineininterpretieren, dass man sich zwar wünscht, dass die Fahrer sich zwar organisieren, aber bitte nicht in der KFG!

Gut, warum soll ich auch in einen Verein eintreten, der den Status einer Gewerkschaft nur in den Träumen der Vorstandsmitglieder und „geblendeten“ Mitglieder hat? Helfen kann mir dieser dann nur bedingt bis gar nicht.

Fazit

Ich weiß, so ein Fazit nervig ist. Denn eigentlich spiegelt es nur das in kurzen Worten wider, was ich bereits geschrieben habe.

Aber fassen wir das Ganze mal so zusammen, wie es sich mir darstellt:

Ich kann mich irren, aber wieder einmal zeigt die KFG das nichts als heiße Luft da rauskommt, wo eigentlich was produktives rauskommen sollte. Die KFG versteht sich zwar als Anwalt der Fahrer, aber ich habe es schon damals gesagt und sage es heute noch mal: Der Anwalt, den man mit der KFG darstellen will, muss man erst noch werden. Das Interview zeigt wieder einmal, dass die KFG letztendlich verpennt hat, mit den, für die Branche brisanten Themen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Und noch viel mehr hat sie es verpennt Öffentlichkeitsarbeit überhaupt zu leisten. Es ist wie die letzten 24 Jahre auch: Man sieht und hört nichts von diesem Verein. Und ich bleibe dabei: Es ist und bleibt auch nur ein Verein! Gewerkschaft? Lächerlich, denn hierzu müssten Sie erst einmal Tarifverträge verhandeln können und auch wollen!

Durch dieses Interview wollte man sich wieder einmal mit dem Erfolg anderer Schmücken und so die wahren Erfolgszubringer in den Hintergrund stellen. Ich möchte nicht abstreiten, dass das, was in dem Interview geschrieben steht, auch wirklich so passiert ist. Doch dass die KFG für den ganzen Ablauf, Sie seien dafür verantwortlich, das unsere Probleme in Berlin gehört würden,  denke ich eher, das die Besuche der A.I.D.T Vertreter in Berlin und das ganze vorher (Demos und Petitionen), eher etwas damit zu tun haben, aber nicht die KFG. Man bedenke, dass die KFG seid nun mehr 24 Jahren existiert. Kaum einer kennt Sie. Kaum einer weiß, ob Sie überhaupt etwas geleistet haben. Da ist es logischerweise einfach, etwas in den Raum zu stellen, was man nicht überprüfen kann.

Also noch mal. Ich zweifle nicht daran, dass man innerhalb der KFG sich eventuell um die Themen gekümmert haben könnte. Doch was die unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit anbelangt, so denke ich, haben die KFG und wir Fahrer da unterschiedliche Ansichten darüber, was man so darunter versteht. Daher hege ich Zweifel daran, dass man hier etwas anderes im Sinn hat, als sich mit fremden Federn zu schmücken.

In diesem ganzen Zusammenhang sollte man auch den Kommentar von Gregor Ter Heide beachten, denn er liefert die notwendigen Erklärungen in Bezug darauf, ab wann man sich als eine Gewerkschaft bezeichnen darf.

Update vom 04.12.2021

Wie ich nun vor kurzem Erfahren habe, hat sich die KFG in GTL (Gewerkschaft für Transport und Logistik) umbenannt.  Man will nun nicht mehr nur für die Fahrer zuständig sein, nein, es soll nun die gesamte Logistikbranche sein. Tja, wenn man keine Mitglieder bekommt, weil selbst der kleinste Käfer einen höheren Bekanntheitsgrad hat, sucht man sich halt neue Gebiete, wo man eventuell ein paar leichtgläubige Mitglieder abgreifen kann.

Wie man den Erfolg anderer schmälern kann

by Christian time to read: 19 min
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