Die schweren Unfälle

der vergangenen Tage. Ich war lange am überlegen ob ich auch was dazu schreiben sollte. Doch was? Egal was ich schreiben würde, das Leid der Hinterbliebenen lindert sich dadurch nicht. Auch wenn alleine die Tatsache mit dem Unfall auf der A6 wo ein LKW eine Familie fast ausgelöscht hat, 4 Kinder und die Mutter tot, der Vater schwebt meines Wissens nach immer noch in Lebensgefahr. Ich glaube, ich würde da nicht wieder aufwachen wollen, wenn es meine beiden Kinder und meine Frau erwischt hätte.

Doch dann ist mir was eingefallen, was ich dazu schreiben kann. Ungeachtet dessen, waren die Unfälle auf der A2 und der A6 wirklich tragisch und die Verursacher gehören mit der Vollen Härte des Gesetzes bestraft.

Was mir massiv aufgefallen ist, sind die Kommentare der „Besserwissenden“, diejenigen die scheinbar nach Ihrer Wortwahl her dabei gewesen sein müssen. Diese Leute gibt es immer wieder. Sie behaupten einfach irgendwas, wie z.b. standartmäßig „Der ist eingepennt…; Die lesen eh immer nur Zeitung, schneiden sich die Fußnägel…“ etc. Das auch eventuell andere Dinge, wie etwa Herzinfarkte (bei uns in der Branche nicht gerade selten) oder einfach nur einen Blackout die Ursache sein könnten, interessiert dabei nicht. Aber wie ich es ja schon in einem anderen Artikel geschrieben habe, durch die „Reportagen“ wissen die Leute ja Bescheid. Auch diejenigen die aufgrund Ihrer deutlichen Unwissenheit Dinge gefordert haben, obwohl es diese entweder schon seitens der Gesetzgebung vorgeschrieben sind, oder sich technisch nicht realisieren lassen, wie etwa die Nachrüstung verschiedener Assistenzsysteme.

Erschreckend ist gerade bei dieser Unwissenheit, was viele Menschen glauben, was diese Systeme leisten würden. All diese Menschen sind tatsächlich nicht in der Lage was das Wort Assistenz überhaupt bedeutet.

Nun Fakt ist, das seit Herbst letzten Jahres der Notbremsassistent und der Spurhalteassistent bei Nutzfahrzeugen aufgrund einer EU Richtlinie verpflichtend in den Fahrzeugen verbaut sein müssen. Parallel dazu, hat der Gesetzgeber beschlossen, dass der Fahrer nach wie vor „Herr über das Fahrzeug“ sein muss.

Ich habe es in diesem Artikel bereits versucht zu beschreiben, was diese Systeme leisten können oder auch eben nicht. Aber nur mal um es noch einmal kurz anzureißen: Assistenzsysteme sind dazu da, einen Fahrer (egal ob LKW oder auch PKW) zu unterstützen, nicht diesen zu Bevormunden. Und auch gesetzlich festgelegt wurde, dass diese Systeme abschaltbar sein müssen. Schon alleine aus dem Grunde, weil diese Systeme nicht die Wetterlage berücksichtigen. Doch das ist erst mal Nebensache. Man kann es auch anders beschreiben:

Nehmen wir mal eine Operation. Der operierende Arzt hat seine Assistenten. Da gibt es z.b. eine Person, die nur dafür da ist, das Besteck zu reichen. Nehmen wir diese Person als Synonym für den Notbremsassistenten. Der Arzt ist der Fahrer. Der Arzt ist im Begriff eine Falsche Arterie durch zu schneiden, der Notbremsassistent sieht das, greift durch ein Signal ein. Der Arzt sieht das Signal, macht aber trotzdem weiter und schneidet die Arterie durch! Weil: Der Arzt ist der Chef. Nichts anderes ist das in einem LKW auch. Solange ich als Fahrer eine Reaktion zeige, wie etwa den Fuß auf das Gaspedal zu legen, zeigt mir das System zwar an, dass dort eine Gefahrenquelle ist, greift aber nicht ein, weil ich als Fahrer der Chef bin!

Was die Leute von der EU auch noch lustigerweise festgelegt haben; der Notbremsassistent soll einen Unfall nicht verhindern. Er soll lediglich Prozentual zur gefahrenen Geschwindigkeit den Aufprall mindern. Beispielsweise wenn ein LKW mit 70 km/h fährt, soll die Aufprallgeschwindigkeit halt geringer sein. Klar es gibt bei einigen Herstellern wie Mercedes und auch mittlerweile Volvo Systeme, die können einen Unfall verhindern. Sind jedoch nicht gesetzlich Vorgeschrieben. Auch gibt es bei den gesetzlichen Vorschriften Regelungen, die besagen in welchen LKW welches System verbaut sein muss. Wen es interessiert, am ende des Artikels habe ich die Betreffende Verordnung als Download beigepackt. Genaueres kann man aber auch dieser Seite entnehmen

Über die anderen schwachsinnigen Forderungen, will ich gar nicht schreiben. Die sind es nicht wert beachtet zu werden.

Achja, die Neverending Story Güter auf die Bahn. Die Bahn ist seit Jahrzenten dabei, die Güterbahnhöfe zu reduzieren. Erst dieses Jahr gab die Bahn bekannt, alle kleineren Güterbahnhöfe (ca. 250 in ganz Deutschland) langfristig nicht mehr in Ihren Fahrplänen zu berücksichtigen. Von daher, vergesst das.

Ein Runder Tisch hat sich jetzt einfallen lassen, dass man mehr auf Plakate und Schilder mit Warnungen entlang der Autobahnen zu tackern. Auf der A2 schon vor dem Kamener Kreuz aus Richtung Bielefeld kommend, sind bereits solche Schilder aufgestellt. Klar in Unterschiedlichen Sprachen. Doch bringt es was? Nicht wirklich. Abstand ist trotz der Schilder für viele ein Fremdwort bzw. viele können damit nichts anfangen, sind sich der Bedeutung des Wortes Abstand nicht bewusst. Sonst ist es ja nicht zu erklären, dass gerade viele Osteuropäer einen Abstand von mitunter gerade mal 2 Meter pflegen. Da bedarf es dann auch keiner mangelnden Aufmerksamkeit mehr, wenn der Vordermann bremst, knallt es.

Sollten sich auch viele Deutsche Fahrer mal durch den Kopf gehen lassen…. Abstand rettet Leben!

 

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2 Kommentare

  1. Die Routine und der Glaube es passiert mir sicher nicht, sind auf der Straße ständige Begleiter. Wer hält sich schon gerne an 30iger Zonen? Sofern nicht bekannt ist, dass regelmäßig Kontrolliert oder Angezeigt wird, hält sich der Großteil nicht daran. Der Mensch macht sich erst dann Gedanken wenn ein Unfall passiert. Doch dann kann es leider schon zu spät sein. Vor allem wenn bei Frontlenker kaum 15 Zentimeter Knautschzone für den Fahrer bieten…Allzeit Gute Fahrt und vor allem genug Abstand! Und was die EU Richtlinien betrifft bin ich ganz bei Christian, sind oftmals zum „auf den Kopf gefallen“ gut.

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