Sprüche die ich nicht mehr hören kann

Es gibt nichts nervigeres, als immer die selben Sprüche seitens der „Kundschaft“ zu hören.

Diese Sprüche kennt jeder. Immer wieder gern genommen werden Aussagen wie: „Hier waren schon gaaaaaanz andere drin….“ oder „Warum nicht? Die anderen machen das doch auch….“

Die anderen machen das doch auch

Genau darum geht es mir heute. Um diesen Satz: „Die anderen machen das doch auch!“ Ich kann diesen Spruch nicht mehr hören. Gerade weil ich den auch hier im Container Bereich in dem ich tätig bin, ständig zu hören bekomme.

Nehmen wir z.b. das Öffnen des Containers. Rein Arbeitstechnisch bin ich als Fahrer dafür verantwortlich, dass der Container mit der bestellten Ware pünktlich zum genannten Entladetermin beim Kunden eintrifft und auch passend zur Entladung bereit steht. Damit endet eigentlich meine Aufgabe. Gut diese erweitert sich dann noch um das wieder schließen des leeren Containers und das wegfahren. Aber ich als Container Fahrer habe, laut den Statuten im Containerbereich weder was mit der Be- / Entladung (nein auch keine LaSi) der Büchse zu tun noch was mit dem öffnen der selbigen.

Meine Aufgabe bzw. die unserer Spedition ist das bereit stellen des Containers zu einer festgelegten Uhrzeit. Mehr nicht!

Aber die anderen…

In der Regel reagiere ich auf die obige Aussage damit, indem ich dem Betreffenden mitteile, dass ich nicht die anderen bin. Und nur weil andere das ja auch machen, muss das nicht immer richtig sein, genauso wie mein Verhalten auch nicht immer das Richtige sein muss. Fakt ist, wenn ich es strikt nach Vorschrift mache (immer dann, wenn mir einer vom Lagerpersonal quer kommt), mache ich eben nicht das, was andere doch auch machen.

Viele Fahrer im Containerbereich haben z.b. eine Zange dabei, um die Plomben zu öffnen, mit denen der Container versiegelt ist. Ich habe keine. Es ist ja auch nicht meine Aufgabe, dieses Siegel zu öffnen. Genauso wenig es meine Aufgabe ist, die Türen eines beladenen Containers zu öffnen.

Weil, wie bereits oben geschrieben, ich diesen nur zur Entladung beim Kunden bereit stellen muss. Nehme ich jetzt noch das Teil mit der Versicherung ins Boot, darf ich schon wegen der nicht den Container öffnen, weil mir ja was auf den Kopf fallen könnte. Versicherung hier: „Ja selber Schuld, ist nicht Deine Aufgabe…“

Anstellerei…

Man könnte jetzt sagen, ich würde mich anstellen. ABER: Viele Fahrer motzen ja auch über die Situationen an den Rampen / in der Kundschaft. Wir Fahrer sind ja nur die Lakeien der Großen Logistiker usw. Aber wessen Schuld ist das denn? Genau, wir Fahrer sind doch selber dran Schuld. Warum wird denn vieles, was wir aus nettigkeit irgendwann mal selber angefangen haben, mittlerweile als selbstverständlich betrachtet? Doch nur, weil wie z.b. in meinem Fall, einem die Zange gereicht wird und der Lagermitarbeiter erwartet, dass wir die Büchse aufmachen, oder die Paletten selber vom Auto holen, obwohl es in einigen Fällen gar nicht unsere Aufgabe ist.

Rechtliches zwischen durch

Als Fahrer habe ich mit dem Öffnen der Sendung nichts zu tun. Äh…. Ja und was hat das jetzt mit dem Container zu tun? Der Container ist Teil der Warensendung. Und somit darf ich, sofern nichts anderes auf dem Frachtbrief oder Lieferschein vermerkt ist, den Container nicht öffnen.

Sollte der Fahrer nun durch das Öffnen die Ware oder den Container beschädigen, haftet er zwar nicht, aber seine Firma für den entstandenen Schaden. Ebenso im Falle einer Verletzung, die durch das herunterfallen der Ware entstehen kann, bleibt der Arbeitgeber des Fahrers auf den Ausfall und die dadurch entstandenen Kosten sitzen. Denn, der Fahrer hat etwas getan, was nicht Bestandteil seiner Aufgabe war / ist.

Das öffnen des Containers durch den Fahrer muss auf dem Fahrauftrag vermerkt sein, oder der Fahrer seitens der Disposition eine entsprechende Anweisung erhalten! Ansonsten bleibt das Dingen zu!

Die Deutsche Verkehrszeitung hat auf Ihrer Facebookseite ein entsprechendes Video zu diesem Thema veröffentlicht. Sollten sich nicht nur Fahrer mal anschauen. Auch die Kundschaft, die Container bekommen!

 

Ich behaupte

Würden mehr Fahrer die Eier haben und gerade dann wenn einem gewisse Dinge quasi aufgezwungen werden, eben nicht machen, weil es nicht unsere Aufgabe ist, dann würde sich irgendwann auch was an der Situation an den Rampen was ändern. Ich habe es schon vielfach an anderen Stellen geschrieben: Ein Nein ist schnell gesagt, sich dran halten ist es auch.

„Die anderen machen das doch auch“ „Springst du auch von der Brücke, wenn die anderen das machen? Weil die anderen machen das doch auch….“

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Über uns Christian

Ich bin aktiver Berufskraftfahrer und kein Rechtsanwalt, auch wenn ich hier über Rechtliche Themen schreibe. Ich war in der Vergangenheit für eine Gewerkschaft auf Landesebene im Vorstand und als Betriebsratsvorsitzender bei einem Zeitarbeitsunternehmen im Ruhrgebiet tätig. Auch wenn ich den Beruf selber erst seid Mitte der 1990er Jahre ausübe, so habe ich damit durch meinen alten Herrn schon mein ganzes Leben mit dieser Branche zu tun. Ich war sowohl im Internationalen Fernverkehr, sowie derzeit auch im Nahverkehr tätig. Ich betreibe diesen Blog ausschließlich Just4Fun und vieles spiegelt lediglich meine Meinung wieder, die keiner gut finden muss oder soll! Selber zählen ich mich zu denen, die diesen Beruf nicht machen, weil Sie es müssen, sondern weil Sie es wollen. Auf Deutsch, es ist mein Traumjob.

4 Kommentare

  1. Mhh, das Problem ist ja, dass du keinen Hebel zum Ansetzen hast. Die Lagerfuzzis können dich am langen Arm verhungern lassen, sei es mit Entladung, den Papieren usw.
    Bei ganz renitenten Fahrern gibt’s dann ein Hausverbot.

    Wenn du beim „Großlogistiker“ dein Auto nicht selber leer räumst, bleibste da halt stehen.

    Und stehen kostet Geld, der nächste Auftrag wartet usw.

  2. Hi Börni,

    Das ist ja im Containerbereich das gute. Alles was über 2 Stunden geht, muss bezahlt werden. Heißt, wenn die mich stehen lassen, kostet es Geld.

    Allerdings ist das nicht nur im Containerbereich so. Rein rechtlich steht es jedem Spediteur zu, Standgeld zu berechnen wenn das Fahrzeug zu lange irgendwo beim Kunden stehen muss.

    • Zwischen rechtlich möglich und faktisch umsetzbar besteht allerdings ein Unterschied.

      Kein vernünftig denkender Unternehmer berechnet Standgeld, wenn er die Befürchtung hat, danach den Kunden los zu sein.

      Es müssten alle machen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte…

      • Das Dumme ist ja, viele denken noch an die Zeit vor dem Gerichtsurteil. Jetzt hat man ja die rechtliche Grundlage. Wenn die Unternehmer Ihre Chancen gerade jetzt nicht nutzen, selber Schuld.

        Der Kunde kann sich heute nicht mehr aussuchen wer fährt. Wenn ich das nur mal bei DHL sehe… In Hagen stehen alle Wechselbrücken um das Gebäude herum verteilt. BELADEN! Und keiner da, der Sie zum Kunden bringen kann. Anderen Logistikern geht es ähnlich. Der Fahrermangel bringt nicht nur uns Fahrern Vorteile. Dem Unternehmer auch.

        Wir kriegen alles was über 2 Stunden geht, als Standzeit bezahlt.

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