Aktionismus – Kampagnen für, gegen oder mit Berufskraftfahrern

Ich blicke so langsam nicht mehr durch.

Es vergeht kein Monat, kein Tag wo nicht wieder eine neue Kampagne gestartet wird. Sei es, wie im Titel bereits geschrieben, eine Kampagne für Berufskraftfahrern, gegen oder mit selbige.

Jetzt startete in Mannheim die nächste. Hellwach mit 80 soll es nun seit April diesen Jahres sein.

Als Mitinitiator wird der Mannheimer Hafenverein Contargo genannt. Um es mal kurz zu begründen, die Zahlreichen Unfälle auf der A5 und A6 wurden mit als Gründe genannt, warum man diese Kampagne, die sich wieder einmal an uns Berufskraftfahrer richtet, ins Leben gerufen.

Viel Tamtam

In den letzten Jahren gab es viele Initiativen und Kampagnen die sich an uns Berufskraftfahrer gerichtet haben. Von vielen hört man nichts mehr. Waren wohl nur gut auf dem Papier um zu zeigen, „Wir machen ja was für euch“. Doch die Ansätze halte ich persönlich immer wieder für die Falschen.

Das schlechte Gewissen

Viele dieser Aktionen richten sich in erster Linie an das schlechte Gewissen der Fahrer. Ein Satz taucht da immer wieder auf: Der Verantwortungsvolle Fahrer. Der Macht dies nicht, macht das nicht. Hält sich an dieses und jenes.

Klar, irgendwo haben diese Auflistungen ja auch recht. Doch gleich mal allen anderen suggerieren, halte ich mich nicht dran, bin ich kein vrantwortungsvoller Fahrer?!

Auch diese neue Initiative, macht genau das gleiche. Wie alle anderen auch, geht man so weit und erstellt so was wie die 10 Gebote für den verantwortungsvollen Berufskraftfahrer:

Die 10 Max-Achtzig-Regeln für LKW-Fahrer
Ein verantwortungsvoller Fahrer verhält sich so, dass er in allen Verkehrssituationen weder sich, noch andere Verkehrsteilnehmer, noch seine Ladung gefährdet. Darum erwarten und empfehlen wir für die täglichen Fahrzeiten:

1. Lenk- und Pausenzeiten stets einhalten, Pausen sinnvoll nutzen.

2. Nur dringende Telefonate führen und nur dann, wenn eine Freisprechanlage vorhanden ist. Jedes Telefonat lenkt ab.

3. Social Media Nutzung per Smartphone, Notebook, Tablet etc., wie facebook,WhatsApp, SMS oder YouTube muss unterbleiben.

4. Dispositionen über Route, Routenänderung oder Auftragsbearbeitung nicht
während der Fahrt vornehmen.

5. Fahrerfremde Tätigkeiten wie Lesen, Kaffee kochen, Speisen zubereiten,
Körperpflege, etc. sind mit einem sicheren Fahren unvereinbar und sind zu
unterlassen.

6. Essen und Trinken während der Fahrt nur, wenn sichergestellt ist, dass die Konzentration auf den Verkehr nicht gestört wird.

7. Alkohol und sonstige die Reaktion und Konzentration beeinflussende Mittel, aber auch Medikamente, die das Fahren ausschließen, sind direkt vor und während den Fahrzeiten strikt untersagt.

8. Kleiderwechsel erst beim nächsten Parkplatz oder in der Pause vornehmen. Festes Schuhwerk tragen.

9. Wenn etwas runterfällt, bei nächster Gelegenheit anhalten und es erst dann aufheben.

10.Max-Achtzig-Gebot: Ich halte mich – gerade auf Strecken mit Staugefahr und in Baustellen – korrekt an die vorgegebenen Geschwindigkeitsbegrenzungen. Ich halte Sicherheitsabstände und Überholverbote ein und bin hellwach.
Max Achtzig ist dabei, du doch auch!

©: Private Initiative „Hellwach mit 80 km/h“
hellwach-mit-80-kmh@contargo.net

Diese Punkte sollten alle selbstverständlich sein. Und nur weil ich auf Autobahnen keine 80km/h fahre, verhalte ich mich nicht unverantwortlich.

Etwas gereizt

Es steht außer Frage, dass wir LKW Fahrer einen sehr verantwortungsvollen und gefährlichen Beruf haben. Aber genau deswegen wird auch gerade mal wieder in den letzten Wochen und Monaten immer wieder mit irgendwelchen „Aktionen“ auf uns „Eingeprügelt“.

Der Abbiegeassistent ist da nur ein aktuelles Beispiel. Es gibt viele Facebook Gruppen, in denen sich Fahrer tummeln. Einige davon beschäftigen sich auch mit dem verantwortungsvollen Umgang im Straßenverkehr, die hauen aber nicht so eine Liste mit Verhaltensregeln raus.

Ich persönlich empfinde die oben aufgelisteten Dinge als selbstverständlich, weiß aber genauso, dass es nicht immer klappt, mich an diese „Gebote“ zu halten. Schon gar nicht, wenn man Disponenten hat, die mehr auf ihre Provision aus sind, als auf den Erhalt der Arbeitskraft eines Fahrers.

Defizite beseitigen, Termindruck nehmen

Solche „Regeln“ sollten eher von den Unternehmen selber kommen. Geschulte Mitarbeiter, auch die aus dem Büro, handeln von sich aus schon verantwortungsvoller, als einer der nicht mal weiß, wie lange er fahren darf und ab wann er eine Pause einzulegen hat. Auch das ist leider traurige Realität, berücksichtigt man die täglichen Fragen zu den Lenk und Ruhezeiten, die irgendwo in den Gruppen der Sozialen Medien auftauchen.

Beseitigt man diese Defizite, bringt man damit nicht nur seine Firma aus der Schußlinie, man kann auch ruhigen gewissens von seiner Firma sagen, dass man gutes Personal hat, wenn die Fahrer wissen was Sie machen dürfen und was nicht und vor allem sich danach richten.

Als Unternehmer sollte man auch wissen, fallen die eigenen Fahrzeuge bei Kontrollen verstärkt auf, kann das zur konsequenz haben, dass plötzlich eine Kontrolle ins Haus steht.

Auch der Termindruck ist eine Sache, was die Fahrer veranlasst, sich eben nicht verantwortungsvoll zu verhalten. Wer Termine ständig auf Kante plant, die Fahrer dazu antreibt, ständig mit dem Fuß in der Ölwanne zu stehen, braucht sich ebenfalls nicht wundern, warum er keine neuen Fahrer bekommt. Klar, das Problem haben andere Speditionen auch, bei denen das mit der Disposition klappt, aber die schwarzen Scharfe der Branche versauen es den anderen. Ist ja meistens so.

Schaut zurück

Abschließend will ich noch mal etwas zu den Kampagnen sagen.

Wie ich eingangs schon schrieb, gab es in der Vergangenheit schon viele Kampagnen, die den Fahrern Regeln mit auf den Weg gegeben haben, oder ihnen ein gutes Gefühl geben sollten, wenn Sie irgendwo anfangen, wo sich der Unternehmer an dieser Kampagne beteiligt.

Doch Sie alle führen mittlerweile nur noch ein Plazebo dasein und sehen nur gut auf dem Papier aus. Verändert haben Sie nichts. Auch dieser Kampagne gebe ich da kein lange Lebensdauer. Nicht weil ich Sie nicht gut finde, im Gegenteil, aber eben weil es wieder einmal als Angriff gegen die Fahrer gesehen wird.

Wo sind die Kampagnen für uns?

Nüchtern betrachtet, bekämpfen diese ganzen Kampagnen nur die Symptome. Nicht die Ursachen. Was ich vermisse, sind die Kampagnen die wirklich FÜR uns sind. Wo sind die Kampagnen, die dafür sorgen sollen, dass wir uns an die Gesetzlichen Regelungen halten können? Wo sind die Kampagnen, die dafür sorgen sollen, dass wir endlich mehr Parkplätze bekommen und nicht ab einer gewissen Uhrzeit stunden damit verbringen müssen, einen geeigneten Stellplatz zu finden, wo wir auch stehen bleiben können?

Wo sind die Kampagnen die dafür sorgen, dass der Fahrer auch entsprechend entlohnt wird? Der Beruf ist eben nicht nur stumpfes von A nach B fahren. Das komische ist ja, die ganzen Kampagnen erzählen was von verantwortungsvoller Beruf, doch schlägt sich das auf den Lohn nieder? Nein! Es gibt immer noch Speditionen die Ihren Fahrern 1600€ Brutto bezahlen. Und die haben Deutsche Kennzeichen! Wer glaubt er bekommt für das Geld einen Verantwortungsvollen guten Fahrer, der glaubt auch das der Storch die Kinder bringt.

Ändert daran was, dann wird sich auch alles andere ändern!

 

Autor: Christian

Ich bin aktiver Berufskraftfahrer und kein Rechtsanwalt, auch wenn ich hier über Rechtliche Themen schreibe. Ich war in der Vergangenheit für eine Gewerkschaft auf Landesebene im Vorstand und als Betriebsratsvorsitzender bei einem Zeitarbeitsunternehmen im Ruhrgebiet tätig. Auch wenn ich den Beruf selber erst seid Mitte der 1990er Jahre ausübe, so habe ich damit durch meinen alten Herrn schon mein ganzes Leben mit dieser Branche zu tun. Ich war sowohl im Internationalen Fernverkehr, sowie derzeit auch im Nahverkehr tätig. Ich betreibe diesen Blog ausschließlich Just4Fun und vieles spiegelt lediglich meine Meinung wieder, die keiner gut finden muss oder soll! Selber zählen ich mich zu denen, die diesen Beruf nicht machen, weil Sie es müssen, sondern weil Sie es wollen. Auf Deutsch, es ist mein Traumjob.

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