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Tor Relay – Ein kleiner Teil des freien Internets

Was ist ein Tor Relay, warum betreibe ich eines und welche Bedeutung hat das Tor-Netzwerk für Privatsphäre, Informationsfreiheit und Menschen in zensierten Netzen?

📝 Hinweis

Das hier, wird mal wieder ein etwas längerer Artikel in dem es auch technisch etwas äh… holprig werden kann. Ich versuche es aber recht einfach zu erklären.

Was macht eigentlich ein Tor Relay auf ChristiansBlog?

Wer gerade auf der linken Seite dieser Webseite unterwegs ist, findet dort seit kurzem einen kleinen, etwas ungewöhnlichen Eintrag:

🧅 Tor Relay · 🟢 Online

Nein, das ist kein schlecht versteckter VPN-Werbelink und auch kein Versuch, irgendjemanden auf dunkle Pfade des Internets zu schicken. 😄

Ich betreibe selbst ein Tor Relay.

Und weil ich Transparenz bei technischen Dingen ziemlich wichtig finde, darf man auf dieser Webseite auch sehen, ob es gerade läuft.

Was ist Tor überhaupt?

Tor steht für The Onion Router und ist ein Netzwerk, das Verbindungen so über mehrere Stationen leitet, dass nicht eine einzelne Stelle gleichzeitig weiß, wer eine Verbindung aufgebaut hat und wohin sie letztlich geht.

Das Prinzip lässt sich vereinfacht so darstellen:

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Dein Rechner
 Guard Relay
 Middle Relay
 Exit Relay
 Ziel im Internet

Dabei übernimmt jede Station nur einen Teil der Aufgabe. Ein Tor-Kreislauf besteht typischerweise aus mehreren Relays; Guard und Middle sind dabei keine Exit-Relays.

Das ist einer der entscheidenden Unterschiede zu einem klassischen VPN:

Beim VPN läuft der Verkehr grundsätzlich über einen Anbieter, dem man vertrauen muss. Bei Tor wird die Verbindung dagegen über ein verteiltes Netzwerk verschiedener Relays geleitet.

Tor ist deshalb aber kein magischer Unsichtbarkeitsknopf. Auch Tor kann nicht verhindern, dass man sich beispielsweise selbst über persönliche Zugangsdaten identifiziert oder andere Fehler macht.


Und was ist nun ein Tor Relay?

Ein Relay ist ein Rechner, der einen Teil der Tor-Infrastruktur bereitstellt.

Tor funktioniert schließlich nicht dadurch, dass irgendwo ein großer Server steht, auf dem „das Tor-Internet“ läuft.

Das Netzwerk besteht aus tausenden von Relays, die von unterschiedlichen Betreibern bereitgestellt werden. Tor Metrics beschreibt das Netzwerk entsprechend als eines mit tausenden freiwillig betriebenen Relays und Millionen von Nutzern.

Ein Relay nimmt verschlüsselten Tor-Verkehr entgegen und leitet ihn innerhalb des Tor-Netzes weiter.

Dabei gibt es unterschiedliche Rollen.

Guard Relay

Das Guard Relay ist normalerweise der erste Knoten eines Tor-Kreislaufs.

Middle Relay

Das Middle Relay bildet eine weitere Station innerhalb des Kreislaufs.

Exit Relay

Das Exit Relay ist die Station, über die eine Verbindung das Tor-Netz verlässt und das normale Internet erreicht.

Mein Relay ist kein Exit Relay.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Ich stelle also nicht einfach einen Server zur Verfügung, dessen IP-Adresse anschließend als Ausgangspunkt beliebiger Tor-Verbindungen im Internet auftaucht.


Warum betreibe ich überhaupt ein Relay?

Die kurze Antwort lautet:

Weil ein dezentrales Netzwerk Menschen braucht, die Infrastruktur bereitstellen.

Das ist eigentlich gar nicht so anders als bei vielen anderen Dingen, die wir im Internet selbstverständlich benutzen.

Wer einen eigenen Mailserver betreibt, einen DNS-Server bereitstellt, einen Linux-Mirror hostet oder einen Tor-Knoten betreibt, stellt Infrastruktur für andere zur Verfügung.

Bei Tor kommt allerdings noch etwas Entscheidendes hinzu:

Für manche Menschen ist ein freies Internet keine Selbstverständlichkeit

Während wir hier in Deutschland normalerweise davon ausgehen können, nahezu jede Webseite und jeden Internetdienst erreichen zu können, sieht die Situation in anderen Ländern teilweise völlig anders aus. Und ja, ich weiß das der Zugriff auf einige Seiten, gerade solche die mit Desinformationen arbeiten, von Deutschland aus, blockiert sind.

In Staaten mit umfassender Internetzensur können Regierungen oder Internetprovider den Zugang zu bestimmten Webseiten, Diensten oder sogar zum Tor-Netzwerk gezielt blockieren.

Das betrifft beispielsweise Menschen in Ländern wie China oder Iran, aber auch andere Regionen, in denen Internetzugänge überwacht, gefiltert oder eingeschränkt werden.

Tor ist deshalb nicht nur ein Werkzeug für Menschen, die ihre Privatsphäre schützen möchten.

Für Menschen in zensierten Netzen kann Tor ein Werkzeug sein, um überhaupt Zugang zu Informationen zu bekommen, die ihnen sonst vorenthalten werden.

Das Tor Project weist ausdrücklich darauf hin, dass direkte Verbindungen zum Tor-Netzwerk in manchen Ländern durch Internetprovider oder staatliche Stellen blockiert werden. Genau für solche Situationen gibt es zusätzliche Techniken zur Zensurumgehung.


Ist Tor wirklich sicher?

An dieser Stelle gehört allerdings auch eine unbequeme Wahrheit dazu:

Tor ist kein magischer Anonymitätsmantel.

Das Tor-Netzwerk ist bewusst offen aufgebaut. Grundsätzlich kann jeder Betreiber ein Relay zur Verfügung stellen. Das ist einerseits eine große Stärke, weil dadurch ein weltweites, dezentrales Netzwerk entsteht.

Andererseits bedeutet es auch:

Nicht jedes Relay muss automatisch vertrauenswürdig sein.

Das Tor Project kennt dieses Problem sehr genau. Es gibt immer wieder Relays, die falsch konfiguriert sind oder von Betreibern mit böswilligen Absichten betrieben werden. Das Tor Project überwacht das Netzwerk deshalb auf auffälliges Verhalten und kann problematische Relays durch die Directory Authorities aus dem Netzwerk entfernen lassen. In der Vergangenheit wurden bereits größere Gruppen bösartiger Relays entdeckt und entfernt.

Können darunter auch staatliche Akteure sein?

Theoretisch: Ja.

Ein Tor Relay ist zunächst einmal ein Server. Es gibt keinen technischen Mechanismus, der einen Geheimdienst, eine Polizeibehörde oder einen anderen staatlichen Akteur grundsätzlich daran hindert, selbst ein Relay zu betreiben.

Ob ein bestimmtes Relay tatsächlich von einer Regierung oder einem Nachrichtendienst betrieben wird, lässt sich allerdings nicht allein anhand der öffentlichen Relay-Daten feststellen.

Deshalb sollte man Aussagen wie „X Prozent aller Tor-Relays gehören der CIA“ oder ähnliche Behauptungen mit großer Vorsicht betrachten. Solche Zahlen sind öffentlich nicht belastbar nachweisbar.

Was dagegen nachweisbar ist:

Bösartige Relay-Gruppen hat es bereits gegeben.

Das Tor Project hat beispielsweise in der Vergangenheit große Relay-Gruppen identifiziert, die als potenziell bösartig eingestuft und anschließend aus dem Netzwerk entfernt wurden.

Auch Angriffe über Exit-Relays sind keine theoretische Möglichkeit. Das Tor Project hat beispielsweise Gruppen von Exit-Relays entdeckt, die versucht haben, unverschlüsselten HTTP-Verkehr zu manipulieren. In einem dokumentierten Fall wurde sogenanntes SSL-Stripping eingesetzt, um Nutzer daran zu hindern, automatisch auf HTTPS umzuleiten. Die betreffenden Relays wurden anschließend aus dem Netzwerk entfernt.


Was bedeutet das für die Sicherheit von Tor?

Hier wird es interessant.

Tor versucht nicht, das Problem dadurch zu lösen, dass man einfach jedem Relay vertraut.

Das Gegenteil ist der Fall.

Tor ist nach dem Prinzip aufgebaut, dass man den einzelnen Relays gerade nicht vollständig vertrauen muss.

Ein typischer Tor-Kreislauf besteht aus mehreren Relays:

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Du
Guard Relay
Middle Relay
Exit Relay
Ziel

Das Guard Relay kennt deinen Zugang zum Tor-Netzwerk, kennt aber nicht dein endgültiges Ziel.

Das Exit Relay kennt das Ziel der Verbindung, kennt aber normalerweise nicht deine ursprüngliche IP-Adresse.

Das Middle Relay verbindet diese beiden Seiten miteinander, ohne selbst die gesamte Verbindung zu kennen.

Dadurch wird das notwendige Vertrauen auf mehrere voneinander unabhängige Stationen verteilt.


Aber was passiert, wenn ein Angreifer mehrere Relays kontrolliert?

Dann wird es tatsächlich interessant.

Wenn ein Angreifer sowohl den Einstieg in das Tor-Netzwerk als auch den Ausgang beobachten kann, kann er versuchen, die Datenströme anhand von Zeitpunkten, Datenmengen und anderen Verkehrsmustern miteinander zu korrelieren.

Das nennt man einen Traffic-Correlation- bzw. Timing-Angriff.

Und hier ist Tor selbst sehr deutlich:

Tor kann einen Angreifer nicht zuverlässig daran hindern, Datenverkehr zu korrelieren, wenn dieser beide Enden der Verbindung beobachten kann.

Genau deshalb verwendet Tor sogenannte Entry Guards. Ein Tor-Client verwendet nicht bei jeder Verbindung einen völlig neuen Einstiegspunkt, sondern eine kleine Gruppe von Guard-Relays. Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit reduziert, dass ein Angreifer zufällig genau den Einstieg kontrolliert oder beobachten kann.


Ist Tor damit unsicher?

Nein. Aber Tor hat ein definiertes Bedrohungsmodell.

Tor ist ausgesprochen wirkungsvoll gegen viele Formen der Überwachung:

  • Dein Internetprovider sieht normalerweise nicht, welche konkrete Webseite du über Tor aufrufst.
  • Die Zielwebseite sieht nicht deine normale IP-Adresse.
  • Ein einzelnes Relay kann normalerweise nicht gleichzeitig deine Identität und dein Ziel sehen.
  • Die Verteilung über mehrere unabhängige Relays erschwert eine einfache Überwachung erheblich.

Gegen einen sehr mächtigen Gegner, der große Teile des Internets beobachten kann und gleichzeitig Ein- und Ausgang einer Verbindung überwacht, kann Tor jedoch keine perfekte Anonymität garantieren.

Das ist keine Schwäche, die man einfach mit einem weiteren Häkchen in den Einstellungen beseitigen könnte.

Es ist eine grundsätzliche Grenze sogenannter Low-Latency-Anonymitätsnetzwerke. Das Tor Project beschreibt diese Grenze selbst ausdrücklich.


Und was bedeutet das für mich als Relay-Betreiber?

Mein eigenes Relay ist deshalb auch kein Ort, an dem ich sehen kann, wer Tor benutzt und welche Webseiten diese Menschen besuchen.

Im Gegenteil: Das Tor Project fordert Relay-Betreiber ausdrücklich dazu auf, Netzwerkverkehr weder zu analysieren noch zu verändern und keine Benutzer- oder Ziel-IP-Adressen beziehungsweise detaillierte Timing- und Volumeninformationen offenzulegen.

Mein Relay ist ein kleiner Bestandteil des Netzwerks.

Es ist weder ein Überwachungsserver noch ein Zugangspunkt zu irgendwelchen persönlichen Daten der Tor-Nutzer.

Und genau darin liegt auch ein wichtiger Teil des Konzepts:

Ein Tor-Relay muss nicht vertrauenswürdig sein, damit das Gesamtsystem funktionieren kann.

Je unabhängiger die einzelnen Relays voneinander sind, desto besser funktioniert die Verteilung des Vertrauens.


Was sollte man als Tor-Nutzer trotzdem beachten?

Tor sollte man deshalb nicht mit „Ich bin jetzt vollkommen unsichtbar“ übersetzen.

Ein paar grundlegende Regeln bleiben wichtig:

  • Den Tor Browser verwenden, wenn man anonym surfen möchte.
  • Den Browser aktuell halten.
  • Nicht freiwillig seine Identität preisgeben, beispielsweise durch die Anmeldung mit einem persönlichen Konto.
  • Auf HTTPS achten.
  • Keine zusätzlichen Browser-Erweiterungen installieren, die die Fingerprinting-Schutzmechanismen beeinträchtigen können.
  • Nicht davon ausgehen, dass Tor andere Programme auf dem Rechner automatisch schützt.
  • Sich bewusst sein, dass ein mächtiger Gegner mit umfangreichen Überwachungsmöglichkeiten grundsätzlich auch Tor-Verkehr analysieren kann.

Die richtige Aussage ist deshalb nicht:

„Tor macht dich anonym.“

Sondern:

„Tor erschwert es erheblich, deine Identität mit deinem Internetverkehr in Verbindung zu bringen.“

Und das ist ein großer Unterschied.


Und hier kommen die Bridges ins Spiel

Ein normales Tor Relay ist öffentlich bekannt. Seine Existenz und bestimmte technische Informationen können über Tor Metrics abgerufen werden.

Das ist für die Funktion des normalen Tor-Netzwerks notwendig.

Für einen Zensor bedeutet das allerdings auch:

Wenn ich weiß, welche IP-Adressen zu Tor gehören, kann ich versuchen, diese IP-Adressen zu blockieren.

Genau deshalb gibt es Tor Bridges.

Eine Bridge ist im Grunde ebenfalls ein Tor Relay, wird aber nicht im öffentlichen Tor-Verzeichnis aufgeführt. Dadurch ist es für Internetprovider oder staatliche Stellen wesentlich schwieriger, sämtliche Bridges einfach zu identifizieren und zu blockieren.

Vereinfacht sieht das so aus:

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                    normales Tor
                 öffentlich bekannt
                    Guard Relay
                    Tor-Netzwerk


       zensiertes Netzwerk
          Tor Bridge
        (nicht öffentlich)
          Tor-Netzwerk

Damit kann jemand, dessen Internetzugang Tor direkt blockiert, trotzdem einen Weg in das Tor-Netzwerk finden.


Tor versucht dabei, die Zensur nicht einfach nur „auszusitzen“

Die Bridges sind dabei nur ein Teil des Systems.

Tor verwendet sogenannte Pluggable Transports, um die Verbindung für einen Zensor schwerer erkennbar zu machen.

Dazu gehören unter anderem:

  • obfs4
  • WebTunnel
  • Snowflake
  • meek

Diese Techniken verfolgen unterschiedliche Ansätze.

obfs4 lässt den Tor-Verkehr beispielsweise wie zufällige Daten aussehen und erschwert es Zensoren, Bridges durch automatisches Scannen zu finden.

WebTunnel versucht, eine Tor-Verbindung wie normalen HTTPS-Webverkehr aussehen zu lassen.

Snowflake verwendet freiwillig bereitgestellte Proxies, sodass die Verbindung nach außen beispielsweise eher wie eine gewöhnliche Echtzeitkommunikation aussieht.

meek nutzt wiederum einen anderen Ansatz und lässt den Datenverkehr so erscheinen, als würde der Nutzer eine große Webseite beziehungsweise einen CDN-Dienst aufrufen.

Das ist ein ziemlich beeindruckendes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Zensur und deren Umgehung.


Warum das wichtig ist

Stell dir vor, du lebst in einem Land, in dem bestimmte Nachrichtenportale blockiert werden.

Oder soziale Netzwerke sind nur eingeschränkt erreichbar.

Oder Webseiten von Menschenrechtsorganisationen werden gesperrt.

Oder die Regierung entscheidet während einer politischen Krise, den Zugang zu großen Teilen des Internets einzuschränken.

Dann ist die Frage nicht mehr:

„Möchte ich meine Privatsphäre verbessern?“

Sondern möglicherweise:

„Kann ich überhaupt noch auf unabhängige Informationen zugreifen?“

Genau hier bekommt ein dezentrales Netzwerk wie Tor eine Bedeutung, die weit über anonymes Surfen hinausgeht.

Es geht um Informationsfreiheit.

Um Meinungsfreiheit.

Um Zugang zu unabhängigen Informationen.

Und letztlich auch darum, dass nicht eine einzelne Regierung oder ein einzelner Internetprovider darüber entscheiden kann, welche Informationen ein Mensch sehen darf.

Das Tor Project beschreibt seine Mission entsprechend nicht nur mit Privatsphäre und Anonymität, sondern ausdrücklich auch mit dem Schutz vor Zensur und der Unterstützung der freien Verfügbarkeit entsprechender Technologien.


Und genau deshalb braucht Tor Menschen, die Infrastruktur bereitstellen

Das Netzwerk funktioniert nicht von selbst.

Relays müssen von Menschen und Organisationen betrieben werden.

Bridges müssen von Menschen bereitgestellt werden.

Und auch die verschiedenen Werkzeuge zur Zensurumgehung benötigen eine Infrastruktur, die von Freiwilligen und anderen Betreibern unterstützt wird.

Je mehr unabhängige Betreiber daran teilnehmen, desto schwieriger wird es, ein solches Netzwerk vollständig zu kontrollieren oder abzuschalten.

Das ist für mich der eigentliche Grund, warum ich ein Relay betreibe.

Nicht weil ich damit irgendjemandem etwas verkaufen möchte.

Nicht weil ich irgendeinen besonderen Status daraus ableiten möchte.

Sondern weil ich der Meinung bin:

Wenn wir ein freies und dezentrales Internet wollen, müssen wir auch bereit sein, einen kleinen Teil der dafür notwendigen Infrastruktur selbst bereitzustellen.

Mein Relay ist dabei nur ein sehr kleiner Baustein.

Aber genau aus vielen solchen kleinen Bausteinen entsteht ein Netzwerk, das nicht von einem einzelnen Unternehmen, einer einzelnen Regierung oder einem einzelnen Betreiber kontrolliert wird.

Und deshalb steht dort in meiner Sidebar:

🧅 Tor Relay · 🟢 Online

Ein kleiner Punkt auf einer Webseite.

Aber dahinter steckt ein ziemlich großes Prinzip.

Ein freies Internet funktioniert nur, wenn Menschen bereit sind, ein Stück davon zu tragen.


Und warum steht der Status auf meiner Webseite?

Weil ich es interessant finde.

Und weil ich bei technischen Projekten lieber zeige, was tatsächlich passiert, statt einfach irgendwo „läuft“ hinzuschreiben. 😉

Der kleine Status in der Sidebar zeigt den aktuellen Zustand meines eigenen Relays.

Dabei wird nicht jedes Mal direkt aus dem Browser irgendein Tor-Dienst angesprochen.

Die Webseite verwendet eine lokale JSON-Datei:

/data/tor-relay.json

Ein serverseitiger Prozess fragt regelmäßig die offizielle Tor-Onionoo-API ab und aktualisiert diese Daten.

Onionoo ist genau dafür vorgesehen: Es stellt Informationen über laufende Tor-Relays und Bridges als JSON bereit, die anschließend von Anwendungen und Webseiten verwendet werden können.

Vereinfacht:

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Tor Relay
Tor Metrics / Onionoo
mein Update-Script
tor-relay.json
ChristiansBlog
🧅 Tor Relay
   🟢 Online

Der Browser muss also nicht direkt mit Onionoo kommunizieren.


Was kann man über mein Relay sehen?

Wer auf den kleinen Status klickt, landet bei Tor Metrics und kann sich die öffentlichen Informationen zu meinem Relay ansehen.

Dort werden unter anderem Informationen wie

  • Relay-Name
  • Fingerprint
  • Status
  • IP-Adressen
  • Land
  • Tor-Version
  • Relay-Flags
  • Zeitpunkt der ersten Sichtung
  • letzte Sichtung
  • Neustartzeitpunkt
  • Bandbreite
  • Consensus Weight

bereitgestellt.

Mein Relay ist dort unter seinem eindeutigen Fingerprint zu finden.

Relay Search:

https://metrics.torproject.org/rs.html#details/93EE8F121C175DD3B77E586F78E789E711491955


Was bedeutet „Online“ überhaupt?

Der grüne Punkt bedeutet nicht:

„Christian sitzt gerade daneben und schaut dem Tor-Server beim Arbeiten zu.“ 😄

Der Status stammt aus den Daten des Tor-Netzes.

Tor Metrics bzw. Onionoo verarbeitet die von den Directory Authorities veröffentlichten Netzwerkstatusdaten. Das Feld running gibt dabei an, ob das Relay im letzten Netzwerkstatus-Konsens als laufend geführt wurde.

Deshalb ist der Status auch nicht zwingend eine millisekundengenaue Live-Messung.

Er ist vielmehr die Antwort auf die Frage:

„Wird dieses Relay aktuell im Tor-Netz als laufend geführt?“


Und was hat das mit diesem Blog zu tun?

Eigentlich eine ganze Menge.

Dieser Blog beschäftigt sich seit Jahren mit Technik, Linux, Datenschutz, digitaler Selbstbestimmung und den Dingen, die im Internet hinter den Kulissen passieren.

Da passt ein eigenes Tor Relay ziemlich gut dazu.

Ich finde es nämlich sinnvoller, über dezentrale Infrastruktur nicht nur zu reden, sondern selbst einen kleinen Teil davon bereitzustellen. Sei es als Matrix Server, für meine eigene Digitale Kommunikation, oder wie hier ein Tor-Relay.

Und genau deshalb steht da jetzt dieser kleine Punkt:

🧅 Tor Relay · 🟢 Online

Nicht als Werbung.

Nicht als Statussymbol.

Sondern einfach als kleine öffentliche Information:

Diese Webseite wird von jemandem betrieben, der nicht nur über freie und dezentrale Infrastruktur schreibt, sondern auch ein kleines Stück davon selbst bereitstellt.


Wie kann ich Tor selbst nutzen?

Jetzt aber die vielleicht wichtigste Frage:

Wie benutzt man Tor eigentlich?

Die gute Nachricht: Dafür muss man weder einen eigenen Tor-Server betreiben noch sich mit Linux, Netzwerktechnik oder irgendwelchen komplizierten Konfigurationen beschäftigen.

Für die meisten Menschen ist der einfachste Einstieg der Tor Browser.

Der Tor Browser basiert auf Firefox und ist bereits so eingerichtet, dass der gesamte Browser-Verkehr über das Tor-Netzwerk geleitet wird.

Tor Browser installieren

Den Tor Browser sollte man ausschließlich von der offiziellen Webseite des Tor Project herunterladen:

https://www.torproject.org/download/

Dort gibt es Versionen für:

  • Windows
  • macOS
  • Linux
  • Android

Für iPhone und iPad gibt es aufgrund der technischen Vorgaben von Apple keinen offiziellen Tor Browser des Tor Project. Das Tor Project verweist dort auf andere Möglichkeiten beziehungsweise kompatible Anwendungen.

Nach der Installation startet man den Tor Browser und verbindet sich mit dem Tor-Netzwerk.

Danach läuft der Datenverkehr des Tor Browsers über Tor.

Wichtig ist dabei ein kleines Detail:

Tor schützt grundsätzlich nur den Datenverkehr der Anwendungen, die tatsächlich über Tor laufen.

Wenn ich den Tor Browser benutze, bedeutet das also nicht automatisch, dass plötzlich alle anderen Programme auf meinem Rechner ebenfalls über Tor kommunizieren.

Mein normales Firefox-Fenster, Steam, Thunderbird oder irgendeine andere Anwendung wird dadurch nicht automatisch zu einer Tor-Verbindung.


Und wie funktioniert das dann beim Surfen?

Wenn ich beispielsweise eine Webseite mit dem Tor Browser aufrufe, wird die Verbindung nicht einfach direkt aufgebaut:

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Mein Rechner
Webseite

Stattdessen wird sie über mehrere Stationen des Tor-Netzwerks geleitet:

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Mein Rechner
Guard Relay
Middle Relay
Exit Relay
Webseite

Die einzelnen Stationen kennen dabei jeweils nur den für ihre Aufgabe notwendigen Teil der Verbindung.

Das Ziel ist, dass nicht ein einzelner Relay-Betreiber gleichzeitig weiß:

„Dieser Mensch hat gerade diese Webseite aufgerufen.“


Tor ist aber kein Freifahrtschein

Und hier kommt ein Punkt, der mir besonders wichtig ist:

Tor macht niemanden automatisch anonym.

Wer sich beispielsweise mit seinem normalen Google-, Facebook- oder Amazon-Konto anmeldet, hat sich gegenüber diesem Dienst natürlich selbst identifiziert.

Auch persönliche Informationen, Browser-Verhalten oder andere Fehler können dazu führen, dass die eigene Identität bekannt wird.

Der Tor Browser versucht deshalb, möglichst viele Möglichkeiten zur Identifizierung und Nachverfolgung zu reduzieren.

Trotzdem gilt:

Tor ist ein Werkzeug für Privatsphäre und Zensurumgehung – keine Garantie für absolute Anonymität.


Was ist mit Ländern, in denen Tor blockiert wird?

Hier wird es wieder interessant.

In Ländern mit starker Internetzensur kann eine direkte Verbindung zum Tor-Netzwerk blockiert werden.

Dann reicht es unter Umständen nicht aus, einfach den Tor Browser zu installieren und auf „Verbinden“ zu klicken.

Der Tor Browser bietet deshalb Möglichkeiten zur Zensurumgehung.

Dazu gehören unter anderem Bridges und verschiedene sogenannte Pluggable Transports.

Bridges sind nicht öffentlich gelistete Tor-Relays. Dadurch können sie nicht so einfach anhand der öffentlichen Tor-Relay-Liste blockiert werden.

Pluggable Transports versuchen zusätzlich, den Tor-Verkehr so zu verändern oder zu verbergen, dass er für Zensursysteme schwerer als Tor-Verkehr zu erkennen ist.

Das kann für Menschen, die in einem zensierten Netz leben, einen entscheidenden Unterschied machen.


Muss ich Tor Browser benutzen?

Nein.

Tor kann grundsätzlich auch von anderen Anwendungen verwendet werden.

Für normale Nutzer ist der Tor Browser allerdings der einfachste und sicherste Einstieg, weil bereits viele wichtige Einstellungen für die Verwendung von Tor vorbereitet sind.

Wer weitergehende Anforderungen hat, kann Tor auch selbst über einen lokalen SOCKS-Proxy oder andere geeignete Anwendungen nutzen.

Das ist dann allerdings schon eher etwas für technisch versierte Nutzer.

Für den Anfang gilt deshalb:

Tor Browser herunterladen, installieren, starten – fertig.


Und wenn ich Tor nicht nur nutzen, sondern unterstützen möchte?

Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Tor Relay betreiben

So wie ich es mache.

Dabei stellt man einen Server als Teil der Tor-Infrastruktur zur Verfügung und leitet Tor-Verkehr für andere Nutzer weiter.

Eine Bridge betreiben

Bridges sind besonders interessant, wenn man Menschen in zensierten Netzen helfen möchte, Zugang zum Tor-Netzwerk zu bekommen.

Snowflake unterstützen

Auch ohne eigenen Server kann man das Tor-Projekt unterstützen.

Bei Snowflake können normale Nutzer einen Teil ihrer Internetverbindung als Proxy für Menschen in zensierten Netzen zur Verfügung stellen.

Dabei muss man nicht selbst wissen, wer den Proxy verwendet oder welche Webseiten über ihn aufgerufen werden.

Mehr Informationen und Möglichkeiten zur Unterstützung gibt es direkt beim Tor Project:

https://community.torproject.org/relay/


Und damit sind wir wieder bei dem kleinen grünen Punkt

Wenn du also beim nächsten Besuch dieser Webseite links in der Sidebar

🧅 Tor Relay · 🟢 Online

siehst, weißt du jetzt, was dahintersteckt.

Es ist kein VPN-Angebot.

Kein kommerzieller Dienst.

Und auch kein Versuch, irgendwelche geheimen Ecken des Internets zu bewerben.

Es ist schlicht ein kleiner Rechner, der einen Teil seiner Ressourcen dafür zur Verfügung stellt, dass ein dezentrales Netzwerk funktioniert.

Und genau wie bei Open-Source-Software gilt auch hier:

Viele kleine Beiträge können gemeinsam etwas ziemlich Großes ergeben.


Aber … äh … HÄ?

Wer sich jetzt fragt, wie das Ganze eigentlich funktionieren soll, wenn die einzelnen Stellen immer nur einen Teil der Strecke kennen, dem geht es wahrscheinlich gerade genauso wie mir beim ersten Verständnisversuch. 😄

Also machen wir es einmal ganz langsam.

Fangen wir mit dem normalen Internet an

Du sitzt vor deinem Rechner und gibst im Browser beispielsweise ein:

https://www.christiansblog.eu

Was passiert?

Vereinfacht gesagt sieht der Weg so aus:

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Dein Rechner
     │ „Ich möchte christiansblog.eu“
Dein Internetprovider
Internet
christiansblog.eu

Dein Rechner weiß, wohin er möchte.

Dein Internetprovider weiß, von welchem Anschluss die Anfrage kommt und kann grundsätzlich sehen, zu welchem Ziel die Verbindung aufgebaut wird.

Und der Webserver von ChristiansBlog bekommt die Verbindung von deiner öffentlichen IP-Adresse beziehungsweise von der Adresse, über die dein Anschluss im Internet erscheint.

Es gibt also eine relativ direkte Verbindung:

DU ────────────────► CHRISTIANSBLOG.EU


Und jetzt machen wir dasselbe mit Tor

Jetzt möchtest du wieder:

https://www.christiansblog.eu

aufrufen.

Diesmal benutzt du aber den Tor Browser.

Dein Tor-Client baut dafür zunächst einen Circuit durch mehrere Tor-Relays auf:

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Du
Bote 1 (Guard Relay)
Bote 2 (Middle Relay)
Bote 3 (Exit Relay)
christiansblog.eu

Und jetzt kommt der Trick.

Stell dir vor, du möchtest einen Brief verschicken.

Du kennst natürlich den Empfänger.

Also schreibst du:

„Dieser Brief soll an ChristiansBlog.“

Aber du gibst ihn nicht einfach einem einzigen Boten.

Stattdessen packst du den Brief in mehrere Umschläge.

Jeder Umschlag enthält nur die Informationen, die der jeweilige Bote für seinen Abschnitt der Reise benötigt.

Vereinfacht sieht das so aus:

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┌─────────────────────────────────────────────┐
│ Umschlag für Bote 1                         │
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│ „Bring diesen Umschlag zu Bote 2.“          │
│                                             │
│ ┌─────────────────────────────────────────┐ │
│ │ Umschlag für Bote 2                     │ │
│ │                                         │ │
│ │ „Bring diesen Umschlag zu Bote 3.“      │ │
│ │                                         │ │
│ │ ┌─────────────────────────────────────┐ │ │
│ │ │ Umschlag für Bote 3                 │ │ │
│ │ │                                     │ │ │
│ │ │ „Bring diesen Brief zu               │ │ │
│ │ │  christiansblog.eu.“                 │ │ │
│ │ └─────────────────────────────────────┘ │ │
│ └─────────────────────────────────────────┘ │
└─────────────────────────────────────────────┘

Du weißt also von Anfang an:

„Ich möchte zu ChristiansBlog.“

Aber die Boten bekommen jeweils nur den Teil der Informationen, den sie benötigen.


Bote 1 – der Guard

Bote 1 bekommt den äußeren Umschlag.

Er weiß:

„Dieser Umschlag kommt von Christian.“

Und er weiß:

„Ich soll ihn an Bote 2 weitergeben.“

Was er nicht weiß:

„Christian möchte zu christiansblog.eu.“

Denn diese Information steckt noch in den inneren Umschlägen.


Bote 2 – das Middle Relay

Bote 2 bekommt den Umschlag von Bote 1.

Er weiß:

„Der Umschlag kommt von Bote 1.“

Und er weiß:

„Ich soll ihn an Bote 3 weitergeben.“

Aber Bote 2 weiß weder:

„Wer ist der ursprüngliche Absender?“

noch:

„Wo soll die Reise am Ende hingehen?“

Er kennt nur seinen kleinen Abschnitt der Strecke.


Bote 3 – der Exit Node

Jetzt kommt der dritte Bote.

Er bekommt den Umschlag von Bote 2.

Er weiß:

„Dieser Umschlag kommt von Bote 2.“

Und jetzt kann er die letzte für ihn bestimmte Information lesen:

„Bitte bring diesen Brief zu christiansblog.eu.“

Der Exit weiß also, wohin die Verbindung gehen soll.

Aber er weiß nicht, dass der Brief ursprünglich von deinem Rechner gekommen ist.

Für den Webserver sieht die Verbindung deshalb vereinfacht so aus:

Exit Relay ─────────► christiansblog.eu

und nicht etwa:

Dein Rechner ─────────► christiansblog.eu

Und genau darin steckt der Trick

Wenn wir die Informationen einmal nebeneinanderstellen:

Beteiligter Kennt den ursprünglichen Absender? Kennt das endgültige Ziel?

BeteiligterKennt den ursprünglichen Absender?Kennt das endgültige Ziel?
DuJaJa
Guard RelayJaNein
Middle RelayNeinNein
Exit RelayNeinJa
ZielserverNeinJa, natürlich

Das ist der entscheidende Punkt.

Es geht bei Tor nicht darum, dass niemand weiß, wohin du möchtest.

Du weißt es.

Und der Exit muss es letztendlich ebenfalls wissen, sonst könnte er die Verbindung gar nicht aufbauen.

Der Trick besteht darin, dass niemand unterwegs gleichzeitig weiß, wer du bist und wohin du möchtest.

Das Wissen wird auf mehrere Stationen verteilt.

Und genau deshalb funktioniert das Ganze überhaupt.


Und die Briefumschläge?

Die Briefumschläge sind natürlich nur ein Bild.

In Wirklichkeit werden die Informationen nicht mit Papierumschlägen verschickt, sondern durch mehrere kryptografische Verschlüsselungsschichten geschützt.

Jedes Relay kann nur die für seinen Abschnitt bestimmte Schicht verarbeiten.

Daher kommt auch der Name:

Onion Routing – Zwiebel-Routing.

Wie bei einer Zwiebel gibt es mehrere Schichten.

Nur dass wir bei Tor lieber nicht anfangen sollten, die einzelnen Schichten abzuschälen. 😄

Quellen