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Neue Zugangserleichterungen für Berufskraftfahrer – aber ist das wirklich die Lösung?

Neue Regeln sollen den Zugang zum Beruf des Berufskraftfahrers erleichtern. Doch lösen mehrsprachige Prüfungen, kürzere praktische Prüfungen und erleichterte Anerkennungen tatsächlich den Fahrermangel?

Seit heute gelten neue Regeln für den Zugang zum Beruf des Berufskraftfahrers. Die Bundesregierung will damit eine der bekannten Ursachen des Fahrermangels angehen: Es soll einfacher und schneller werden, Menschen für den Beruf zu qualifizieren.

Das klingt zunächst einmal vernünftig.

Die praktische Prüfung der Grundqualifikation wird verkürzt, die Prüfung der beschleunigten Grundqualifikation kann nun in zusätzlichen Sprachen abgelegt werden und auch bei der Anerkennung bestimmter ausländischer Fahrerlaubnisse gibt es Erleichterungen.

Die entsprechende Änderungsverordnung wurde am 17. August 2026 im Bundesgesetzblatt verkündet und ist mit Ausnahme eines einzelnen Teils seit dem 18. August in Kraft.

Doch bei aller Freude über weniger Bürokratie bleibt für mich eine entscheidende Frage:

Lösen wir damit tatsächlich den Fahrermangel – oder sorgen wir lediglich dafür, dass neue Fahrer schneller durch eine Tür kommen, während wir gleichzeitig kaum etwas daran ändern, warum andere durch dieselbe Tür wieder hinausgehen?

Was sich jetzt konkret ändert

Zunächst einmal sollte man die Änderungen nicht kleinreden.

Die Prüfung der beschleunigten Grundqualifikation kann künftig neben Deutsch in neun weiteren Sprachen abgelegt werden:

  • Albanisch
  • Englisch
  • Hocharabisch
  • Kroatisch
  • Polnisch
  • Rumänisch
  • Russisch
  • Türkisch
  • Ukrainisch

Interessant ist dabei sogar ein kleines Detail: In der ursprünglichen Pressemitteilung des Bundesverkehrsministeriums war noch von acht Fremdsprachen die Rede. In der nun geltenden Verordnung sind es neun, weil Albanisch zusätzlich aufgenommen wurde.

Das kann insbesondere Menschen helfen, die bereits über die notwendigen Voraussetzungen verfügen, aber bei einer Prüfung bislang an der deutschen Prüfungssprache gescheitert wären.

Auch bei ausländischen Fahrerlaubnissen gibt es Erleichterungen. Unter anderem wurden die Ukraine und Montenegro in die entsprechenden Regelungen der Fahrerlaubnis-Verordnung aufgenommen. Außerdem sollen bestimmte in einem anderen EU-Mitgliedstaat umgetauschte Drittstaaten-Fahrerlaubnisse künftig auch in Deutschland anerkannt werden.

Und dann wäre da noch die praktische Prüfung.

Die bisherige praktische Prüfung umfasste insgesamt 210 Minuten. Künftig sind es 120 Minuten. Der entsprechende Prüfungsteil zur „Bewältigung kritischer Situationen“ entfällt; außerdem wird die eigentliche Fahrprüfung von 120 auf 90 Minuten verkürzt.

Das Ministerium bezeichnet all das als Abbau von Zugangshürden und als Beitrag dazu, Fahrer schneller in den Beruf zu bringen.

Und genau an diesem Punkt beginnt meine Kritik.

Denn der Fahrermangel beginnt nicht am Eingangstor

Ich habe mich mit dem Thema Fahrermangel bereits ausführlicher beschäftigt.

Dabei war meine zentrale These nicht, dass es überhaupt kein Nachwuchsproblem gibt. Natürlich brauchen wir neue Fahrer. Eine alternde Berufsgruppe kann nicht dauerhaft funktionieren, wenn weniger Menschen nachkommen als ausscheiden.

Das eigentliche Problem ist jedoch, dass die Diskussion häufig genau dort endet:

Wie bekommen wir mehr Menschen in den Beruf?

Viel seltener wird gefragt:

Warum verlassen Menschen den Beruf überhaupt?

Und genau diese Unterscheidung halte ich für entscheidend.

Ein Beruf kann noch so leicht zugänglich sein. Wenn die Bedingungen danach nicht stimmen, haben wir zwar mehr Berufseinsteiger – aber keinen dauerhaft gelösten Fahrermangel.

In meinem ausführlicheren Beitrag zum Fahrermangel habe ich deshalb genau diese Frage gestellt: Warum verlassen erfahrene Berufskraftfahrer ihren Beruf und warum würden viele von ihnen ihren eigenen Kindern diesen Beruf heute nicht mehr empfehlen?

Das Problem liegt nämlich häufig gar nicht im eigentlichen Fahren.

Der Beruf ist nicht wegen der Prüfung unattraktiv

Natürlich ist eine Prüfung von 210 Minuten eine Belastung.

Natürlich kann eine Prüfung in der eigenen Muttersprache eine erhebliche Erleichterung sein.

Und selbstverständlich kann es sinnvoll sein, Qualifikationen und Fahrerlaubnisse nicht unnötig kompliziert anerkennen zu lassen.

Dagegen habe ich überhaupt nichts.

Aber wenn wir ehrlich sind, dürfte kaum jemand sagen:

„Ich würde ja gerne Berufskraftfahrer werden, aber die 210-minütige praktische Prüfung hält mich davon ab.“

Das ist zumindest nicht das zentrale Problem, das ich aus meinem Berufsalltag kenne.

Der eigentliche Alltag beginnt schließlich nach der bestandenen Prüfung.

Dann sitzt man nicht 120 Minuten lang in einem Prüfungsfahrzeug.

Dann sitzt man unter Umständen neun oder zehn Stunden am Tag hinter dem Lenkrad.

Man trägt die Verantwortung für ein Fahrzeug mit bis zu 40 Tonnen.

Man fährt durch Baustellen, Innenstädte, Staus und enge Lieferstellen.

Man muss permanent Situationen beurteilen, Risiken erkennen und auf Fehler anderer Verkehrsteilnehmer reagieren.

Diese dauerhafte Konzentration ist Arbeit – auch wenn man dabei auf einem Sitz sitzt.

Und danach ist der Arbeitstag häufig noch lange nicht vorbei.

Wenn der Fahrer plötzlich zum Lagerarbeiter wird

Ein weiterer Punkt, den ich in meinem ursprünglichen Artikel angesprochen habe, ist die zunehmende Ausweitung des Berufsbildes.

Be- und Entladen gehört in vielen Bereichen selbstverständlich zum Job. Dagegen habe ich auch nichts.

Problematisch wird es dort, wo aus dem Fahrer zusätzlich ein Lagerarbeiter, Kommissionierer oder Problemlöser für Fehler in der Lieferkette gemacht wird.

Dann werden Waren sortiert, Verpackungen entfernt, Paletten umgepackt oder Lieferungen für die weitere Verarbeitung vorbereitet.

Die entscheidende Frage lautet:

Wo endet eigentlich die Transportleistung und wo beginnt die Lagerarbeit?

Diese Frage ist keineswegs nebensächlich. Denn wenn wir über die Attraktivität des Berufs sprechen, müssen wir auch darüber sprechen, welche Tätigkeiten wir von einem Berufskraftfahrer eigentlich erwarten.

Und genau hier könnte Politik wesentlich mehr zur Attraktivität des Berufs beitragen als durch eine um 90 Minuten kürzere Prüfung.

Stellplätze lösen sich nicht durch eine kürzere Prüfung auf

Ein weiteres Beispiel ist der Stellplatzmangel.

Wer regelmäßig unterwegs ist, kennt das Problem.

Der Fahrer kann seine Lenkzeit noch gar nicht ausgeschöpft haben und sucht trotzdem bereits am frühen Nachmittag nach einem geeigneten Stellplatz.

Vorhandene Parkflächen sind überfüllt, gesperrt oder werden anderweitig genutzt.

Und irgendwann landet der Fahrer dort, wo er eigentlich nicht stehen sollte.

Das ist kein neues Problem.

Es ist seit Jahren bekannt und wurde auch politisch immer wieder diskutiert. In meinem Artikel habe ich unter anderem auf entsprechende Anhörungen und Bundestagsdrucksachen hingewiesen.

Die Frage ist deshalb:

Warum wird ein Problem, das seit Jahren bekannt ist, nicht endlich konsequent gelöst?

Denn für jemanden, der wochenlang unterwegs ist, ist ein vernünftiger Stellplatz keine Luxusausstattung.

Das ist ein Teil seines Arbeitsplatzes.

Auch die Infrastruktur gehört zur Attraktivität des Berufs

Dasselbe gilt für Straßen, Brücken und Baustellen.

Natürlich müssen marode Brücken gesperrt oder beschränkt werden, wenn es die Sicherheit verlangt.

Aber aus Sicht des Fahrers bedeutet jede zusätzliche Einschränkung:

  • längere Fahrzeiten,
  • schlechtere Planbarkeit,
  • mehr Verkehr auf Ausweichstrecken,
  • zusätzlichen Stress.

Auch hier gilt: Eine Verkürzung der Prüfung verändert am eigentlichen Problem nichts.

Und genau deshalb halte ich es für zu kurz gegriffen, den Fahrermangel hauptsächlich als Problem fehlender Zugangsmöglichkeiten zu betrachten.

Und dann ist da noch das Geld

Natürlich ist der Lohn nicht alles.

Aber er ist auch nicht unwichtig.

In meinem ursprünglichen Artikel habe ich darauf hingewiesen, dass viele Fahrer die Erfahrung machen, dass deutliche Gehaltssteigerungen oftmals eher durch einen Arbeitgeberwechsel als durch langjährige Betriebstreue entstehen.

Neue Mitarbeiter werden teilweise mit attraktiveren Einstiegsbedingungen angeworben, während langjährige Mitarbeiter nur geringe Anpassungen erhalten.

Das kann auf Dauer nicht funktionieren.

Wer jahrelang Erfahrung sammelt, sollte für diese Erfahrung auch einen entsprechenden Wert besitzen.

Gleichzeitig darf man die Unternehmen nicht einfach aus der Verantwortung nehmen.

Denn auch viele Speditionen stehen wirtschaftlich massiv unter Druck.

Steigende Kosten, Maut, Energiepreise, Werkstattkosten, Finanzierung, Bürokratie und ein harter Wettbewerb drücken auf die Margen.

Das Problem ist also komplexer.

Unternehmen haben teilweise weniger Spielraum.

Fahrer verlassen gleichzeitig den Beruf.

Der Personalmangel erhöht den Druck auf die verbleibenden Fahrer.

Und dadurch verschärft sich die Situation weiter.

Ein Kreislauf.

Mehr Fahrer können diesen Kreislauf sogar nur teilweise entschärfen

Genau deshalb bin ich bei der aktuellen Reform zwiegespalten.

Die Maßnahmen sind nicht grundsätzlich falsch.

Eine Prüfung in mehreren Sprachen kann sinnvoll sein.

Eine unnötig lange Prüfung darf man durchaus hinterfragen.

Und wenn ein Fahrer bereits eine entsprechende Qualifikation besitzt, sollte man ihn nicht durch unnötige Doppelprüfungen davon abhalten, diese Qualifikation in Deutschland einzusetzen.

Das alles kann man unterstützen.

Aber:

Es ist eben nur ein Teil der Lösung.

Denn wenn wir jetzt beispielsweise mehr Menschen aus dem Ausland für den Beruf gewinnen und diese anschließend auf dieselben Probleme treffen wie die Fahrer, die heute schon im Beruf sind, haben wir den grundsätzlichen Mangel nicht beseitigt.

Wir haben lediglich den Zustrom erhöht.

Das ist ein Unterschied.

Besonders bei der verkürzten praktischen Prüfung bin ich skeptisch

Einen Punkt sehe ich sogar mit einer gewissen Skepsis.

Die praktische Prüfung wird von 210 auf 120 Minuten reduziert. Ein Bestandteil zur Bewältigung kritischer Situationen fällt weg.

Natürlich kann man argumentieren, dass eine Prüfung nicht unnötig lang sein muss.

Das ist richtig.

Aber bei einem Beruf, bei dem ein Fahrer täglich mit einem schweren Fahrzeug am öffentlichen Straßenverkehr teilnimmt, sollte man zumindest diskutieren dürfen, ob die Reduzierung tatsächlich an der richtigen Stelle ansetzt.

Wenn wir den Zugang erleichtern, müssen wir gleichzeitig sicherstellen, dass die Anforderungen an die tatsächliche Befähigung nicht ausgerechnet dort abgesenkt werden, wo es um die sichere Beherrschung des Fahrzeugs geht.

Das bedeutet nicht, dass jeder zusätzliche Prüfungsbaustein automatisch sinnvoll ist.

Aber eine Verkürzung sollte nachvollziehbar begründet werden – und nicht allein damit, dass wir dringend mehr Fahrer brauchen.

Denn Verkehrssicherheit darf kein Kollateralschaden der Fachkräftegewinnung werden.

Die Politik kennt die eigentlichen Probleme längst

Und genau das ist für mich der vielleicht frustrierendste Punkt.

Viele der Probleme sind nicht neu.

Stellplatzmangel, lange Wartezeiten an Rampen, zusätzliche Tätigkeiten, wirtschaftlicher Druck und schlechte Arbeitsbedingungen wurden bereits vor Jahren politisch diskutiert.

Auch im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages waren diese Themen Gegenstand von Anhörungen und Beratungen.

Wir wissen also durchaus, wo die Probleme liegen.

Die Frage ist nicht:

„Warum wissen wir nichts über die Ursachen?“

Die Frage ist:

„Warum werden die bekannten Ursachen nicht konsequenter angegangen?“

Und genau hier liegt mein Problem mit der aktuellen Reform.

Zugang erleichtern – ja. Aber bitte nicht nur den Zugang.

Ich bin ausdrücklich dafür, den Beruf nicht unnötig bürokratisch zu machen.

Wenn jemand geeignet ist, die notwendige Fahrerlaubnis besitzt und die erforderliche Qualifikation nachweist, dann sollte er nicht an unnötiger Bürokratie scheitern.

Aber der Berufskraftfahrer ist kein Beruf, den man nur deshalb attraktiv macht, indem man die Eingangstür weiter öffnet.

Attraktiv wird ein Beruf durch die Bedingungen, die dahinter liegen.

Dazu gehören:

  • vernünftige Bezahlung,
  • planbare Arbeitszeiten,
  • ausreichend Stellplätze,
  • vernünftige sanitäre Einrichtungen,
  • weniger sinnlose Wartezeiten,
  • eine klare Abgrenzung zwischen Fahrer- und Lagerarbeit,
  • funktionierende Infrastruktur,
  • Wertschätzung,
  • vernünftige Arbeitsbedingungen
  • und vor allem eine Perspektive, die es einem erfahrenen Fahrer ermöglicht, diesen Beruf auch nach Jahrzehnten noch gerne auszuüben.

Genau diese Punkte entscheiden darüber, ob Menschen im Beruf bleiben.

Und genau deshalb halte ich die aktuelle Reform nicht für die geilste Lösung.

Sie ist eine Zugangserleichterung.

Das ist gut.

Aber eine Zugangserleichterung ist noch keine Lösung für den Fahrermangel.

Vielleicht sollten wir die Frage anders stellen

Was müssen wir verändern, damit die Menschen, die heute schon hinter dem Lenkrad sitzen, diesen Beruf auch langfristig ausüben wollen?

Denn solange wir diese Frage nicht beantworten, können wir jedes Jahr aufs Neue versuchen, den Zugang zum Beruf zu erleichtern. Wir können Prüfungen verkürzen, sie in mehreren Sprachen anbieten, die Anerkennung ausländischer Fahrerlaubnisse vereinfachen und damit grundsätzlich mehr Menschen für den Beruf gewinnen. All das kann sinnvoll sein und an der einen oder anderen Stelle sicherlich auch unnötige Hürden beseitigen.

Aber wenn sich gleichzeitig an den Rahmenbedingungen des Berufs nichts Wesentliches ändert, werden wir damit das eigentliche Problem nur teilweise lösen. Denn dann schaffen wir zwar einen leichteren Weg in den Beruf, sorgen aber nicht automatisch dafür, dass die Menschen im Beruf bleiben.

Und genau darin liegt für mich der entscheidende Unterschied: Wir brauchen nicht nur mehr Menschen, die Berufskraftfahrer werden. Wir brauchen vor allem Bedingungen, unter denen Menschen diesen Beruf auch nach fünf, zehn oder zwanzig Jahren noch machen wollen.

Denn ein Fahrermangel lässt sich auf Dauer nicht dadurch beseitigen, dass man immer neue Menschen durch die Eingangstür schickt, während andere den Beruf durch die Hintertür wieder verlassen.