Im europäischen Straßengüterverkehr gehört es vielerorts zum Alltag:
LKW-Fahrer kommen an einer Rampe an – und werden anschließend zum Lagerarbeiter.
Paletten ziehen, Kartons stapeln oder sogar mit dem Hubwagen arbeiten gehört für viele Fahrer inzwischen zum Alltag.
Genau gegen diese Praxis geht Rumänien nun gesetzlich vor.
Ein neues Gesetz soll künftig verhindern, dass Fahrer zum Be- oder Entladen verpflichtet werden.
Ein vom rumänischen Senat verabschiedeter Gesetzesentwurf sieht vor, dass LKW-Fahrer grundsätzlich nicht mehr zum Be- oder Entladen verpflichtet werden dürfen.
Verantwortlich für diese Arbeiten sind künftig:
Besonders wichtig:
Vertragsklauseln oder Anweisungen, die Fahrer verpflichten zu laden oder zu entladen, sollen unwirksam sein.
Damit soll verhindert werden, dass Unternehmen diese Arbeiten weiterhin indirekt auf Fahrer abwälzen.
Unternehmen, die Fahrer dennoch zum Be- oder Entladen verpflichten, müssen mit Bußgeldern rechnen.
Geplant sind Strafen von:
10.000 bis 30.000 Lei (ca. 2.000–5.800 Euro).
Die Kontrolle soll durch die rumänische Arbeitsaufsicht erfolgen.
Das Gesetz soll 30 Tage nach Veröffentlichung im rumänischen Amtsblatt in Kraft treten.
Anschließend erhält das rumänische Arbeitsministerium rund 90 Tage Zeit, um praktische Durchführungsregeln festzulegen.
Damit könnte die Regelung bereits im Laufe des Jahres 2026 vollständig wirksam werden.
Das Gesetz sieht auch einige Ausnahmen vor.
Diese betreffen Transportarten, bei denen das Entladen technisch zum Fahrzeug oder zur Tätigkeit des Fahrers gehört.
Dazu zählen unter anderem:
In diesen Bereichen bleibt die Beteiligung des Fahrers weiterhin möglich.
Rein juristisch ist die Ausgangslage in Deutschland zunächst klar geregelt.
Nach § 412 Handelsgesetzbuch (HGB) ist grundsätzlich der Absender für das Verladen der Ware verantwortlich, während der Empfänger für das Entladen zuständig ist.
Allerdings enthält das Gesetz einen entscheidenden Zusatz:
Diese Regelung gilt nur, sofern nichts anderes vereinbart wurde.
Und genau hier liegt der entscheidende Punkt in der Praxis des Güterverkehrs.
Denn in vielen Transportverträgen, Frachtaufträgen oder Rahmenvereinbarungen wird ausdrücklich festgelegt, dass der Fahrer selbst beim Be- oder Entladen mitwirkt oder die Arbeiten vollständig übernimmt. Damit wird die gesetzliche Grundregel durch eine vertragliche Vereinbarung ersetzt.
In der Realität führt das häufig dazu, dass Fahrer:
Damit entsteht eine Situation, in der das Gesetz zwar eine klare Ausgangsregel formuliert, diese jedoch durch Vertragsgestaltung regelmäßig umgangen wird.
Das Ergebnis ist eine Praxis, in der viele Fahrer faktisch sowohl Fahrer als auch Lagerarbeiter sind – obwohl ihre eigentliche Aufgabe der Transport von Gütern ist.
Oft wird in Westeuropa behauptet, dass Arbeitsbedingungen im Osten schlechter seien.
Doch ausgerechnet Rumänien geht nun einen Schritt, den Fahrerverbände in vielen Ländern seit Jahren fordern.
Die Botschaft ist klar:
Ein LKW-Fahrer ist Fahrer – kein Lagerarbeiter.
Die Verantwortung für das Be- und Entladen gehört zu den Unternehmen, die über Personal, Infrastruktur und Sicherheitsunterweisungen verfügen.
Während Rumänien gesetzlich klarstellt, dass Fahrer keine Lagerarbeiter sind, wirkt die Diskussion in Deutschland fast schon absurd.
Denn rechtlich wäre vieles bereits möglich.
Die Verantwortung für das Laden liegt laut Handelsgesetzbuch ohnehin beim Absender.
Trotzdem hat sich in der Praxis eine Kultur entwickelt, in der Fahrer diese Arbeiten einfach übernehmen.
Nicht selten hört man sogar von Fahrern selbst den Satz:
„Dann mache ich es eben schnell selbst.“
Genau diese Haltung sorgt jedoch dafür, dass sich an der Situation nichts ändert.
Denn Verbesserungen bei Arbeitsbedingungen entstehen selten von alleine.
Sie werden eingefordert – durch Organisation, Druck und notfalls durch politische Forderungen.
Rumänien zeigt nun, dass so etwas durchaus möglich ist.
Und das wirft eine unbequeme Frage auf:
Warum schaffen andere Länder gesetzliche Verbesserungen – während viele Fahrer in Deutschland sich offenbar damit abgefunden haben?
Könnte es vielleicht daran liegen, dass die Fahrer in anderen Ländern es verstanden haben, dass man mehr erreicht, wenn man sich organisiert und für seine Rechte einsteht?
Und auch, wenn es gewisse Leute gibt, die mir das wieder als Hetze gegen die eigene Berufsgruppe vorwerfen werden: Wenn man sich bspw. bei Facebook die Kommentare zu diesem Thema durchliest, wird wieder eines zügig und deutlich klar: Die meisten Fahrer suchen wieder die Schuld für die fehlende Umsetzung bei anderen, als bei sich selbst. Das ist nicht neu, das ist Standard. Egal bei welchem Thema, das die Fahrerschaft eigentlich selbst in der Hand hat, um es zu ändern, wird die Schuld immer bei anderen gesucht. Nur nicht bei sich selbst. Selbstreflexion ist jetzt nicht das, was den meisten gegeben ist.
Rumänien ist mit diesem Ansatz nicht allein.
Bereits Spanien hat 2022 ein Gesetz verabschiedet, das Fahrern das Be- und Entladen von Waren grundsätzlich verbietet.
Ausnahmen gelten dort ebenfalls nur für bestimmte Spezialtransporte, etwa:
Verstöße können dort mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden.
Auch Portugal hat ähnliche Regelungen eingeführt, um Fahrer von Lade- und Entladearbeiten zu entlasten.
Der Hintergrund ist in allen Fällen derselbe:
Damit entsteht langsam eine Entwicklung innerhalb Europas, bei der die Rolle des Fahrers wieder stärker auf seine eigentliche Aufgabe konzentriert wird: das sichere Transportieren von Gütern.
Ich bin aktiver Berufskraftfahrer in zweiter Generation mit langjähriger Erfahrung im Transportsektor. Auf diesem Blog teile ich meine persönliche Meinung und Erfahrungen.
Du hast Fragen, Anregungen oder Kritik? Schreib mir eine E-Mail: ue.golbsnaitsirhc@ofni
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