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Privatsphäre im Internet – Die Datenkraken

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Zuletzt aktualisiert am 27. November 2023

In vorherigen Artikeln habe ich bereits Anregungen gegeben, wie man trotz Facebook und Co. etwas Privatsphäre behalten kann. In diesem Artikel gehe ich einen Schritt weiter und gehe auf die Anbieter des Handybetriebssystems ein.

Das Smartphone ist immer dabei. Sei es auf der Arbeit, beim Date, beim Spaziergang mit dem Hund, Sport etc. Und überall werden seitens beiden größten Anbieter von IOS und Android Daten gesammelt. Bei IOS kann ich nicht so mitreden, ich nutze seit Jahren das Linux Derivat Android, wie viele auch. Und hauptsächlich wird die jeweils aktuelle Variante von Google aufgespielt. Egal von wem man das Smartphone hat, fast alle verwenden das Android von Google.

Android vs. IOS

Schauen wir zuerst mal auf die aktuellen Marktanteile von Mobilen Betriebssystemen in Deutschland. Laut Statista war der Anteil von Android im September bei 60,82 %.

Datenkrake – Glaube ich nicht.

Man muss es nicht glauben. Fakt ist, dass Google selbst, aber auch viele Apps aus dem App Store an unseren Daten interessiert sind. Und wer sich jetzt fragt, was daran schlimm ist, hängt die Frage davon ab, wie gleichgültig jemanden dieses Thema ist.

Die gängigste Aussage ist, die sammeln die Daten ja ohne hin, dagegen unternehmen kann ich nichts. Ja, wenn man die Vogel-Strauß-Methode bevorzugt, dann kann man dagegen auch nichts machen. Wer jedoch den etwas unbequemeren Weg gehen möchte, sollte weiterlesen.

Sofern man GPS im Handy aktiviert hat, erstellt Google ein Bewegungsprofil. Wie ich bereits geschrieben hatte, weiß Google, wann ihr wo wart. Und das stellenweise bis auf den Meter genau.

Anhand eines solchen Profils kann man wunderbar eure Vorlieben erkennen und euch entsprechend die „Personalisierte Werbung“ präsentieren.

Ein Gerät ohne Google und Co.

Wenn man nicht den heißesten Scheiß haben will, sondern sich damit zufriedengibt, eher unbekannte Geräte zu verwenden, der sollte sich mal Alternativen suchen.

Denn die gibt es. Den weniger Technikversierten sei hier gesagt: Wenn es ein Android Betriebssystem sein muss, dann könnt Ihr beruhigt sein. Google ist nicht der Erfinder von Android. Google hat lediglich 2005 die von Andy Rubin gegründete Firma Android gekauft. So wie es Microsoft damals mit dem Betriebssystem DOS gemacht hat.

Aber nur weil Google Android gekauft hat, heißt das nicht, dass es Android auch nur noch mit Google Stempel gibt. Also mit GMD (Google-Mobile-Dienste) etc. Android selbst ist immer noch ein freies Betriebssystem, besser bekannt unter Android Open Source Project (AOSP) und aktuell in der Version 14 verfügbar, welche am 04.10.23 erschienen ist.

Qual der Wahl

Es gibt Alternativen. Will ich ein aktuelles Smartphone, muss ich damit leben, dass weiterhin von mir Daten gesammelt werden. Ich kann weiterhin den Playstore von Google nutzen, kann alternativ auch F-Droid nutzen. Allerdings muss man in den Handy-Einstellungen umstellen, dass man aus anderen Quellen installieren kann. F-Droid kann hier kostenlos heruntergeladen werden. Zudem enthält die Seite noch weiterführende Informationen.

Wer etwas technisch versiert ist, den wird es interessieren, dass man das Betriebssystem seines aktuellen Smartphones ggf. austauschen kann. Gerade Eigentümer eines Google Pixel dürfen sich freuen, denn die meisten Alternativen sind dafür ausgelegt, die Google eigene Software gegen ein freies Android auszutauschen.

Welche Alternative Software gibt es?

Replicant. Der Schwerpunkt von Replicant liegt im Bereich Sicherheit und Privatsphäre, besteht zu 100 % aus freier Software. Allerdings aufgrund von fehlenden Treibern werden aktuell nur sehr wenige Geräte unterstützt. Die Liste der unterstützten Geräte ist hier zu finden.

LinageOS. Hierbei handelt es sich um die beliebteste Alternative. LinageOS läuft auf vielen Geräten, da hier proprietäre Gerätetreiber und Firmware benutzt wird. Da hier Freiheit nicht so wirklich im Vordergrund steht, ist es aber freier als die Software, die mit deinem Smartphone mitgeliefert wurde. Man braucht keinen Google Account um es zu nutzen, Google Play Services sind ebenfalls nicht installiert. Dafür arbeitet LinageOS perfekt mit microG zusammen. Hierbei handelt es sich um einen freien Nachbau der Google Play Services. Wer wissen will, welche Geräte unterstützt werden, sollte hier nachschauen.

Mit GrapheneOS hat man ein Betriebssystem, dass viel Wert auf Datenschutz und Sicherheit legt. Leider werden nur die Google Pixel Geräte und microG nicht unterstützt. Eine Liste habe ich trotzdem.

Es gibt noch weitere Alternativen, allerdings beschränken sich diese, bis auf einige wenige Geräte zusätzlich auf die Geräte von Google.

Eine etwas längere Liste hat noch /e/ OS vorzuweisen. Vollständig von Google befreit, die Google-Dienste wurden durch microG ersetzt. Es gibt eine nicht gerade kurze Liste von unterstützten Geräten und zudem die Möglichkeit Geräte zu kaufen, auf denen /e/ OS vorinstalliert ist.

microG

Kurz noch was zu microG. Viele kaufen sich kein Huawei mehr, weil Google die Zusammenarbeit mit Huawei abgesagt hat. Grund dafür soll die Huawei App sein, die den Google Store als Malware erkennt. So liest man es zumindest im Internet. microG ist eine Alternative um die Google Dienste auch auf einem Huawei zu nutzen. Wie das geht, ist u.a. in diesem YouTube Video erklärt.

Geräte mit alternativen Betriebssystemen

Wie ich weiter oben schon schrieb, wer nicht unbedingt den neuesten Kram braucht, kann sich gleich nach Geräten umschauen, die entweder ein freies Android oder gleich Linux installiert haben. Auch hier gibt es moderate Preise oder halt eben teuer.

Moderate Preise hat hier PinePhone. Beginnend bei $149 USD oder halt $199 USD. Mit dem Purism Libre5 soll man angeblich am Puls der Zeit sein. Nun ja, was den Akku angeht, kommt das hin. 4,500 mAh ist nicht gerade der Burner, auch die restliche Ausstattung mit 3 GB Arbeitsspeicher und 32 GB internen Speicher ist das nicht gerade der Hammer. Dafür aber der Preis. Für ein Libre 5 muss man mal eben $999 USD auf den Tisch legen. Und das für ein mit Linux befeuertes Handy ist mir persönlich zu viel.

Doch das ist weiterhin nicht das Ende der Fahnenstange. Auch bei Google befreiten Handys, geht es preislich auch nach oben. Zu nennen wäre hier Nitrokey. Die Smartphones von Nitrokey sind Google Pixels 4a, auf denen GrapheneOS installiert sind. Ich habe die Geräte bislang bisher nicht getestet oder in der Hand gehabt, insofern kann ich nichts weiter dazu sagen bis auf, dass die Preise der Geräte bei rund 800 € anfangen und so bei 1.385 € enden.

Es gibt aber auch Deutsche Hersteller, die Ihre eigenen Geräte herstellen. Diese sind wahlweise mit einem freien Android oder Ubuntu Touch, einem für Mobile Geräte ausgelegten Linux Betriebssystem.

Zu nennen wäre da Volla Phone. Firmensitz ist im Nordrhein-Westfälischen Remscheid. Aktuell hat Volla 4 Geräte auf dem Markt, diese sich sowohl preislich als auch von der Ausstattung und Möglichkeiten her unterscheiden. Jedoch haben alle Geräte eines gemeinsam: Ich kann sie entweder mit einem firmeneigenen Android (Volla OS) erwerben oder mit dem bereits genannten Ubuntu Touch. Da ich persönlich mehr auf die Outdoor-Smartphones wert lege, käme für mich das Volla X bzw. Volla X23 infrage. Jedoch habe ich aktuell immer noch das Testgerät der Fa. Blackview, das BV8800. Preislich liegen die Volla Geräte deutlich unter den anderen. Maximal 564 € werden für ein Volla Phone fällig. Unabhängig davon, ob ich nun Android oder Linux haben will. Dazu bietet Volla auch Unternehmenslösungen an, die im Hinblick auf Datenschutz vielleicht nicht außer Acht zu lassen sind.

Zum Schluss

Wie man sieht, auch bei den Smartphones kann man Alternativen nutzen, wenn man möchte. Privatsphäre zu bewahren ist aber etwas, was jeder allerdings aktiv durchführen muss. Denn auch in Zeiten von sozialen Netzwerken sollte jeder selbst entscheiden, was er an Daten preisgibt und was nicht.

Ich habe auf meinen Geräten kein Facebook, Instagram installiert. An Google käme ich zur Not auch noch vorbei, wenn ich mein Handy roote. Allerdings habe ich da keine Lust zu.

Noch was. Es gibt seit 2012 die Seite Tos;dr, Terms of Service didn’t Read, also zu Deutsch Nutzungsbedingungen, die man nicht gelesen hat.

ToS;DR hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Nutzungsbedingungen der einzelnen Anbieter und das sind dort eine Menge, mal auf die negativen Sachen hin, zu überprüfen und zu veröffentlichen, alles in Bezug auf den Datenschutz und die Privatsphäre. Kleiner Nachteil ist allerdings, dass die Seite zwar, auf Deutsch umgestellt werden kann, jedoch nur in Bezug auf die einleitenden Texte. Die Erklärungen der Nutzungsbedingungen sind wieder in Englisch. Daher hier mal auszugsweise anhand zweier Beispiele in Deutsch, was sich Google und Samsung herausnehmen:

  1. Google speichert Daten über uns, auch wenn wir den Dienst gar nicht nutzen.
  2. deine Identität wird in Anzeigen verwendet, die anderen Benutzern angezeigt werden
  3. Der Dienst kann deine E-Mails lesen
  4. Der Dienst kann sich deinen Browserverlauf anzeigen lassen
  5. Was du löschst, ist nicht gelöscht. Der Dienst behält Daten, die du gelöscht hast.
  1. Du musst deine identifizierbaren Informationen angeben
  2. Samsung kann Standortdaten sammeln, verwenden und für andere freigeben
  3. Samsung gibt deine persönlichen Daten an Dritte weiter, die für den Betrieb des Smartphones nicht relevant sind
  4. Es werden viele verschiedene personenbezogene Daten gesammelt
  5. Samsung sammelt über dich, Daten von anderen Personen.

Die Listen beider hier genutzten Anbieter ist noch um einiges länger. Ich habe hier daher nur mal 5 Punkte herausgesucht, die mir persönlich sehr missfallen. Wer die vollständige Liste sehen will, der schaut am besten mal auf der Seite von ToS;DR nach…

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Privatsphäre im Internet – Die Datenkraken

by Christian time to read: 14 min
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