Fahrerlöhne – Warum die Höhe gerechtfertigt ist

Fahrerlöhne – Warum die Höhe gerechtfertigt ist

Auf meiner Facebook Seite hatte ich ein Video veröffentlicht, in dem ich nach den Gründen für die von einigen Fahrern geforderten 15 – 16 € pro Stunde gefragt habe. Eigentlich wollte ich eine sachliche Diskussion führen, doch sachlich können leider die wenigsten Fahrer.

Dass höhere Löhne sein müssen, steht außer Frage. Traurig daran ist, dass viele nicht mal sagen können, warum sie höhere Löhne haben wollen. Egal. Soll hier auch nicht das Thema sein.

Der Auslöser für diese Fragen

Am 19.05.2022 waren wir Fahrer Thema im Verkehrsausschuss in Berlin. Es ging in diesen ersten „Sondierungsgesprächen“ darum, wie man unseren Beruf wieder attraktiver machen könnte. Wie ich oben schon schrieb, mehr Geld ist eine Sache, die Rahmenbedingungen dürfen aber auch nicht fehlen.

Das Video

In meinem Video stellte ich nun absichtlich provozierend die Frage, warum man als Fahrer davon ausgeht, dass ein Stundenlohn von 15 € gerechtfertigt sei. Denn bislang konnte / wollte niemand so recht auf die Frage antworten. Daher habe ich zusätzlich noch ein paar provokante Dinge rausgehauen, die mir in meinen letzten 26 Jahren so untergekommen sind.

Frei nach dem Motto: Der Fahrer geht zum Chef, will mehr Geld und der Unternehmer fragt nach dem Warum. „Du willst mehr Geld? Warum denn?

Na ja, wie das halt so mit der Sachlichkeit unter Fahrern so ist, es gibt indessen welche, die müssen Ihren Minderwertigkeitskomplex irgendwie bewältigen. Ich schätze mal, der Stefan weiß nicht mal, wo der G-Punkt bei einer Frau zu finden ist.

Es gab aber nicht nur solche Nachrichten. Auch Beleidigungen in den Kommentaren sind zu lesen. Sachlich bleiben können die wenigsten.

Egal. Zurück zum Thema.

Der Verkehrsausschuss

Nach wie vor Auslöser war das Treffen des Verkehrsausschusses und das damit verbundene Thema. Wir Fahrer.

Wer die Sitzung nicht verfolgt und auch bis hier gelesen hat, hier ist noch mal der Link zur Mediathek des Deutschen Bundestages: Schaust Du hier. Und bitte ganz anschauen, denn dann wird es eventuell klarer.

So, Fahrerlöhne… Ich denke, ich habe in meinem Video oft genug gesagt, dass die Höhe von 15 € gerechtfertigt ist. Jedoch ist mir das Ganze zu pauschal bzw. zu ungerecht.

Ungerechtigkeit eines pauschalen Stundenlohns

Warum ungerecht? Da ja immer viele darauf rumreiten, dass wir alles und jeden transportieren, sollte das auch entsprechend „honoriert“ werden.

Heißt nichts anderes, dass sich die „Nebentätigkeiten“, die mit der jeweiligen Transportsparte zu tun hat, auch irgendwie im Lohn widerspiegeln. Das wäre nicht nur gerecht, den jeweiligen Fahrern gegenüber, sondern auch den Unternehmern.

Allgemeinverbindlicher Tarifvertrag

Die Form, wie so ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag aussehen könnte, habe ich ja hier schon mal aufgeschrieben. Allerdings macht man sich in der Regel weiterhin Gedanken um die Idee etwas mehr.. Äh… reifen zu lassen.

Wie ich ja schon schrieb, ist eine Pauschalisierung des Lohns ungerecht. Denn auch wenn es so einen Tarifvertrag geben könnte, es ist nichts weiter als ein tariflicher Mindestlohn, der dann von keinem Arbeitgeber unterschritten werden darf. Darüber geht immer, aber warum sollte man das als Arbeitgeber machen, wenn man es nicht muss und der Fahrer es auch nicht begründen kann, warum er mehr verdienen will.

Wir haben alle eines definitiv gemeinsam: Wir fahren LKW. Transportieren Waren von A nach B, was so gesehen unsere Hauptaufgabe ist. Mir geht es mehr um die „Nebentätigkeiten“. Das was man als Fahrer machen muss, damit man überhaupt Waren von A nach B zu transportieren zu können.

Damit durch diese Pauschalisierung von 15 bis 16 € / h keine Ungerechtigkeit einhergeht, sind es gerade diese Nebentätigkeiten, die sich im Lohn niederschlagen müssen. Gerade damit man sich als Fahrer nicht das Sahnehäubchen, mit Kirsche obendrauf, heraussuchen können und so die eine Sparte überlaufen wird, wo man gewissermaßen für das Geld am wenigsten machen muss.

Das wäre nicht zielführend, um den Fahrermangel generell auszumerzen. Es gibt dann nur die eine Sparte, die keine Probleme hat, Fahrer zu bekommen, alle anderen mehr oder weniger schon.

Weitere Überlegungen

Es muss also im Entgelttarifvertrag ein leistungsgerechter Lohn eingetragen werden. Wer aufgrund der Nebentätigkeiten mehr leistet, muss auch mehr bezahlt werden.

Und damit auch die älteren von uns was davon haben, wäre es eine Idee, allen Fahrern, die vor 2008 den Führerschein erworben haben (nicht über die BKF Ausbildung), gewissermaßen per Ritterschlag den Gesellenbrief auszustellen.
Ja, wäre ungerecht denen gegenüber, die in der Zeit die 3 Jahre Ausbildung gemacht haben, aber irgendwo muss man eine Honorierung seitens der Politik einführen.

Nicht nur das. Dadurch, dass man den Fahrern den Facharbeiter bescheinigt, wird es auch leichter körperliche Einschränkungen, die im Laufe der Jahre durch den Beruf entstanden sind, als Berufskrankheit anerkennen zu lassen, bzw. sich auf bestimmte Sachen für den Beruf kaputt schreiben zu lassen und dann über die BG eine Umschulung zu bekommen.

Es böte noch mehr Vorteile für die älteren Fahrer, auch in Bezug auf den Entgelttarifvertrag. Denn wie ich in meinem anderen Artikel geschrieben hatte, gibt es normalerweise 3 Sparten, wo die Fahrer eingeteilt werden, sofern sich die Arbeitgeber dran halten.

Unterschieden wird nach gelernte Fachkraft, angelernte Arbeiter und ungelernte. Erste sollten klar sein, das sind die mit dem Gesellenbrief, die angelernten Arbeiter sind dann die mit der Grundqualifikation, die sogenannten EU-Berufskraftfahrer. Und die letzteren sollten klar sein.

Doch warum nur die bis 2008? In erster Linie, weil diejenigen von uns die vor dem 10.09.2008 Ihre Klasse D (Bus) und vor dem 10.09.2009 die Klasse C (LKW) erworben haben, den sog. Besitzstand haben. Heißt, sie brauchen für den Erwerb der Grundqualifikation keine zusätzlichen Qualifikationen vorzuweisen.

Auf der anderen Seite, alles, was nach diesen beiden Daten den Führerschein erworben hat, musste auch die IHK Prüfung ablegen, soweit ich weiß. Somit muss man ja irgendwo eine datumsbezogene Grenze ziehen.

Der pauschale Ritterschlag

Natürlich soll dieser pauschale „Ritterschlag“ nicht ohne Zutun des Fahrers erfolgen. Auch wenn es nur Fantasie ist, warum das ganze nicht so unbürokratisch für den Fahrer wie möglich machen? Gewissermaßen will ich als Fahrer nur den Antrag stellen müssen und die zuständigen Behörden schauen in den Sozialversicherungsunterlagen oder auch beim KBA nach, seit wann man als LKW-Fahrer tätig ist und wie lange man den Führerschein der Klasse CE und / oder DE hat.

Ich weiß, für diejenigen, die zwar auch seit anno Tobak fahren, aber nie über den 7,5 Tonner hinausgekommen sind, ist das ungerecht. Doch auch in der Ausbildung zum Berufskraftfahrer macht man den großen Führerschein und eben nicht nur den kleinen. Ich hatte damals noch den Rosa Lappen mit der FSK 3 womit ich zwar nur einen 7,5 Tonner fahren durfte, aber dafür noch mit 10 Tonnen Anhänger also bis 18 Tonnen Gesamtgewicht. Egal. Ausbildung zum BKF machen heißt, man hat den großen Führerschein. Ob nun CE oder DE oder beides ist dabei unerheblich.

Es wäre in Anbetracht auf den allgemeinverbindlichen Tarifvertrag nur gerechtfertigt, dass die älteren Fahrer aufgrund Ihrer jahrelangen Tätigkeit als gelernte Fachkräfte anerkannt werden. Denn das würde auch den Geldbeutel etwas voller machen und im Falle einer Berufsunfähigkeit den Leuten etwas mehr Hoffnung geben, dass man auch Berufskrankheiten anerkannt bekommt, ohne dass man da jahrzehntelang klagen muss.

Zuwanderung von Fachkräften aus Drittstaaten

Ist ebenfalls ein Thema, was hier Beachtung finden muss. Denn wer sich mal mit dem Gesetz, über die Fachkräftezuwanderung auseinandergesetzt hat, Achtung jetzt wird theoretisch! wird gelesen haben, dass es hier nicht um das Ausleihen von Arbeitnehmer geht, sondern dass diese in Ihrem Heimatland, was außerhalb der EU liegt, Ihr bisheriges Leben aufgeben und hier ein neues inkl. neuer Arbeit beginnen sollen. Und die Bezahlung für diese Arbeit hat nicht nach Mindestlohn zu erfolgen, sondern nach aktuell gültigem Tarifvertrag. Und genau das würde uns Fahrer weiterhin zu billigen Aushilfen degradieren. Wie man in der Anhörung des Verkehrsausschusses hören konnte, sind diverse Arbeitgeber davon nicht abgeneigt, nur damit die Karren rollen.

Nach wie vor, es steht so im Gesetz, was nicht heißt, dass es auch so praktiziert wird. Aber in Sachen Fahrerlöhne, würde das uns weiterhin zu den billigen „Fachkräften“ machen.

Und warum jetzt?

Dass die Fahrerlöhne steigen müssen, hat viele Gründe. Der Fahrermangel ist die eine Sache, die andere Sache ist die durch niedrige Löhne verursachte Altersarmut. Und natürlich will man für seine geleistete Arbeit auch entsprechend entlohnt werden.

Und auch hier gehen die Meinung der Fahrer und die der Unternehmer weit auseinander. Während viele Fahrer den Mangel an sozialen Kontakten aufgrund der langen Arbeitszeiten in Nahverkehr, oder auch nur alleine schon die ständige Abwesenheit von zu Hause im Fernverkehr als Hauptgrund für mehr Geld sehen, stellt sich auch die Frage der Verantwortung, die mit einem solchen Beruf einhergeht.
Ok, nehme ich mal die Unfälle auf den Straßen, wird sich dadurch auch nichts ändern, wenn die Fahrer mehr Geld bekommen. Aber es ist schon eine immense Verantwortung, mit 40 Tonnen oder auch mehr einen bis zu 25,50 Meter langen LKW über unsere Straßen zu bewegen.

Daher meine Idee, einen Grundlohn in Höhe von 15 oder 16 € am Anfang für alle, aufgrund der zu leistenden Nebentätigkeiten muss ein Zuschlag drin sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Fahrerlöhne – Warum die Höhe gerechtfertigt ist

by Christian time to read: 13 min
0