Dieser Artikel ist über 1 Jahr alt. Die hier enthaltenen Informationen sind möglicherweise veraltet.
Habt Ihr einen Fehler gefunden? Dann informiert mich über Facebook

Warum soll ich mich anstrengen?

Diesen Spruch konnte ich letztes Jahr mehrfach hören.

Gerade von Fahrern, die sich damit brüsteten, man habe Sie “extra” zurückgeholt und von anderen Firmen “Abgeworben”.

Es schmeichelt den einen oder anderen Fahrer mit Sicherheit, dass man auf Sie zurückkommt und Ihnen ein besseres Angebot macht, nur damit diese dann bei dem aktuellen Arbeitgeber kündigen und zur alten Firma wechseln.

Doch nicht selten, steigt dies einigen Fahrern zu sehr zu Kopfe, denn den Spruch “Warum soll ich mich hier anstrengen, nur weil Firma XY auf dem Auto steht? Bestimmt nicht.”

Die Auswirkungen dessen

Was sich viele Fahrer nicht bewusst machen, an dieser Einstellung hängt vieles dran. Der eigene Job, ein Auftrag, die Firma.

Das Ganze schlägt sich irgendwann in Zahlen nieder. Denn wenn der Umsatz nicht passt, obwohl er passen könnte, geht die Geschäftsleitung auf Fehlersuche.
Als Erstes beim Disponenten, wenn der sagt, das ist zu schaffen, schaut man beim Fahrer.

Rausreden bringt nichts

Das Dumme daran herausreden bringt da nichts. Denn gerade in großen Buden sind die Fahrzeuge überwacht und selbst wenn das nicht wäre, es gibt Fahrer, die die Touren schaffen oder die Vorgaben noch toppen. Und an denen sieht dann auch die Geschäftsführung, es geht.

Ja aber der Fahrermangel

Der Fahrermangel mag zwar ein Grund sein, warum Firmen um jeden Preis versuchen, Fahrer zu bekommen. Aber auch von denen kann man sich wieder trennen.

Und wenn sich der eine oder andere denkt, woanders suchen die auch Fahrer, mag das im ersten Moment richtig sein. Jedoch wer zu oft in kurzer Zeit wechselt, sollte sich auch darüber Gedanken machen, dass diese Wechsel einen nicht besonders guten Eindruck im Lebenslauf hinterlassen. Ich weiß, wovon ich rede, denn genau das hatte ich vor 5 Jahren bereits hinter mir. 4 Arbeitgeberwechsel in einem Jahr …

Wenn am Ende des Geldes noch viel Monat übrig ist

Auf der anderen Seite, wenn man bei o.g. Großen Firmen anruft und man bspw. 2350 € + Spesen für hier und da 14 Tage mal draußen bleiben und sonst auch nationaler / internationaler Fernverkehr geboten bekommt, dann kann man das zwar annehmen, die Geschäftsführung darf dann aber nicht erwarten, für dieses, in meinen Augen, besseres Schmerzensgeld auch noch entsprechende Leistungen erwarten, die über das “Normale” hinausgehen.

Und da ist es mir egal, was ich da fahren muss.

Heißt für mich: Sollte ich mit so wenig Geld gerade so überleben können, dann ist da maximal Dienst nach Vorschrift drin. Für ein… Kannst du noch mal eben…. ist dann keine Zeit mehr da.

Leistungsgerechte Bezahlung

Leistungsgerechte Bezahlung ist immer ein zweischneidiges Schwert.

Der Unternehmer sieht das anders als der Fahrer. Gut, man muss abwägen, was wird gefahren. Dass ein Container Fahrer, der irgendwo in Europa eine Büchse aufnimmt, woanders für XX Stunden an der Rampe wartet, bis das Lagerpersonal die Büchse leer gemacht hat und dann wieder irgendwo anders die Dose abgibt, nicht das bekommen kann, was ein Fahrer, der bspw. so wie ich, täglich in den Wald fährt, sich bei jedem Wetter auf den Kran setzt und das Holz aus dem Wald holt, sollte klar sein.

Allerdings sollte sich auch jeder Fahrer darüber im Klaren sein: Wenn man den Job angenommen hat, sollte man sich hinterher nicht über die Kohle beschweren. Schließlich hat man ja was “ausgehandelt” oder halt nur das Angebot des Unternehmens akzeptiert.

Was mich widerrum zum nächsten Thema bringt…. Allgemeinverbindlicher Tarifvertrag. Mit einem solchen gäbe es keine unterbezahlten Fahrer mehr. Stundenlohn in Summe X 168 Stunden im Monat, alles was da bis 208 Stunden drüber geht mit 25 % Zuschlag. 

Und bevor nun wieder einer kommt: Mein Arbeitgeber ist nicht Tarifgebunden…. Für einen allgemeingültigen Tarifvertrag muss ein Arbeitgeber nicht Tarifgebunden sein. Dafür ist der Vertrag ja dann allgemeingültig und da muss sich jeder Unternehmer in einer Branche dran halten. Aber das bleibt nur ein Traum. Und warum? Weil die Fahrer nicht die Voraussetzungen dafür schaffen wollen.

 

Ach und bevor nun jemand denkt, ich meine die Firma auf dem Bild, nein meine ich nicht. Denn die zahlen nach Tarifvertrag.

Eine Antwort auf „Warum soll ich mich anstrengen?“

  1. Anstrengen klingt anstrengend. Ich denke, wenn man etwas gerne macht und mit voller Lebensfreude. Dann ist es wie mit einer guten Liebesbeziehung mit dem Partner. Für die Liebe muss man auch nicht kämpfen. Wenn ja, lass es. Wenn ich mich für eine Arbeit entscheide, dann bin ich mitverantwortlich. Unternehmerisches Denken inklusive.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.